Schilddrüsenerkrankungen im Jahr 2013

So lautete der Titel des Vortrags, der heute im Schwabinger Gesundheitsforum des Städtischen Klinikums zu hören war. Es referierten und präsentierten eine Endokrinologin und ein Chirurg, zwischendurch konnten Fragen gestellt werden.

Die Endokrinologin konzentrierte sich inhaltlich auf den Jodmangel, die Struma und verschiedene Arten von Knoten. Wer einen Kropf mit heißen oder kalten Knoten hatte, erfuhr genau, was bei der Diagnostik und Behandlung wichtig ist. Bei einer Struma kommen Medikamente, eine Radiojodtherapie, eine Operation und vielleicht auch Abwarten in Frage. Was die medikamentöse Behandlung angeht, werden seit der Lisa-Studie in erster Linie eine Kombination aus Thyroxin und Jodid empfohlen. Auch die Vorbeugung mit Jodsalz und Seefisch wurde erwähnt, und dass die Jodversorgung der Bevölkerung angeblich wieder nachlässt.

Die Schilddrüsenunterfunktion kam nur kurz zum Schluss zur Sprache: Die Hashimoto-Thyreoiditis wurde zwar als wichtigste Ursache einer Unterfunktion dargestellt. Auch die Behandlungsempfehlungen waren schlüssig: Thyroxin einnehmen, eventuell Selen, aber kein extra Jodid. Dagegen tauchte der Jodmangel in der Präsentation als möglicher Umwelteinfluss bei Hashimoto auf (zusammen mit dem Rauchen, dem weiblichen Geschlecht und weiteren Punkten). Da hat wohl jemand zu tief ins Werbematerial des Arbeitskreises Jodmangel geschaut! Auch das geologisch nicht haltbare Märchen von der bösen Eiszeit, die angeblich das Jod aus den deutschen Böden gelaugt hat, passte dazu.

Diskussion zur Hashimoto-Thyreoiditis

Immerhin entwickelte sich danach eine lebhafte Diskussion: Ich wies darauf hin, dass Jod bei einer Autoimmunerkrankung der Schilddrüse eher nachteilig ist und das auch für die äußerliche Anwendung gilt. Eine Patientin mit Hashimoto ergänzte, dass die Krankheit wohl nicht zufällig immer häufiger wird und ihr Arzt davon ausgeht, dass eine Überjodierung der Grund dafür ist.

Aus den Beiträgen mehrerer Frauen ergab sich, dass die Diagnostik und Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis nicht immer optimal ist – oft wurde die Krankheit erst spät entdeckt, weil kein Arzt auf die Schilddrüse kam oder lediglich der TSH-Wert gemessen wurde, der aber noch für normal befunden wurde. Bei einer anderen Frau wurde Hashimoto zwar erkannt, die Diagnose wurde ihr aber nicht mitgeteilt. Was die Grenzen der Behandlung angeht, warf ein anwesender Endokrinologe ein, dass bei rund 10 Prozent der Hashimoto-Patienten auch bei guter hormoneller Einstellung noch Beschwerden bestehen bleiben können. Damit meinte er sowohl Symptome der Unterfunktion als auch indirekte Folgen.

Operationen der Schilddrüse

Dann war der Vortrag des Chirurgen an der Reihe. Bei ihm kamen mehrere Gründe für eine Operation der Schilddrüse zur Sprache: Morbus Basedow, eine Autonomie oder auch eine Struma mit und ohne Knoten. Dabei wurde deutlich, dass die Tendenz heute dahin geht, betroffenes Gewebe fast vollständig oder komplett zu beseitigen – damit soll verhindert werden, dass das Problem von Neuem auftritt. Das gilt sowohl für die Überfunktion durch Morbus Basedow als auch für autonomes oder knotig verändertes Gewebe.

Eine Besucherin berichtete von einer Struma-Operation vor einigen Jahren, bei der ein Teil der Schilddrüse nicht entfernt wurde, damit die Patientin notfalls ohne Hormone zurecht käme. Der Chirurg verwies darauf, dass man dies heute anders beurteilen würde und man sowieso überall auf der Welt Thyroxintabletten bekäme. (Und er meinte, dass der Körper notfalls ein halbes Jahr ohne Thyroxin überleben könnte. Diese allzu optimistische Schätzung des versierten Referenten machte nebenbei deutlich, dass Chirurgen nun mal keine Fachleute für die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen sind.)

Der Chirurg ging auch auf die Risiken von Operationen ein, was etwa Stimmbandnerven und Nebenschilddrüsen betrifft, und nannte Zahlen zur Häufigkeit von Komplikationen. Er zeigte auch Humor, indem er die Lage des Stimmbandnervs mitten durchs Operationsgebiet eine Fehlkonstruktion nannte.

Weitere Veranstaltungstermine der Städtischen Münchner Kliniken über diverse medizinische Themen – nicht nur in Schwabing


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