Ist die Hashimoto-Thyreoiditis heilbar?

Ob eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse heilbar ist, über diese Frage wird unter Betroffenen zuweilen leidenschaftlich gestritten. In Internet-Foren und sogar unter mancher Kundenrezension bei Amazon fliegen die Fetzen: Irgendwer kennt immer ein Gegenbeispiel zu einer Behauptung. Siehe z.B. die Diskussion rund um das kürzlich erschienene Buch „Hashimoto Healing“.

Was verstehen Wissenschaft und Medizin unter Heilbarkeit?

Unter Heilung versteht man, dass sich eine Krankheit zurückbildet und der gesunde Ausgangszustand zurückkehrt. Um als Behandlungsmethode oder Heilverfahren anerkannt zu werden, muss ein Therapieansatz in wissenschaftlichen Studien nachweisbare Erfolge bringen, die über die Wirkung einer Placebo-Behandlung hinaus reichen. Diese Kriterien gelten auch für Behandlungen, die Symptome lindern sollen. Die Erfolge müssen wiederholbar sein, falls jemand anders die Behandlung unter denselben Voraussetzungen reproduzieren sollte.

Wenn das erfüllt ist, muss das aber nicht bedeuten, dass die Methode bei allen Patienten gut anschlägt: Auch bei anerkannten Behandlungen muss manchmal ausprobiert werden, welche dem Einzelnen tatsächlich hilft. Bei Antidepressiva kommt das gar nicht selten vor, dass mehrere Wirkstoffe versucht werden müssen, bis die Beschwerden nachlassen.

Jenseits der Studien wären da noch die Überlieferungen von Ärzten und Betroffenen, die gewissermaßen von mancher Heilung außer der Reihe berichten: Krankheiten, die nach obiger Definition nicht heilbar sind, heilen ab und zu doch aus – ganz von selbst oder womöglich durch eine alternative Behandlung angestoßen. Außerdem könnten praktizierte Heilverfahren auch noch nachträglich die wissenschaftliche Anerkennung erhalten – so ist es bei einigen Heilkräutern geschehen, die schon seit Jahrhunderten angewandt werden. Meistens werden aber neue Medikamente und Therapien erforscht, um eine Zulassung zu erhalten.

Heilung – was ist eigentlich gemeint?

Wer als Behandler eine Heilung verspricht, sollte fairerweise sagen, was er darunter versteht: Wurde die Methode in Studien erforscht, soll man sich auf eine Tradition verlassen, auf die Erfahrung einzelner Behandler oder auf die Anhänger einer Methode? Was die Heilung einer Hashimoto-Thyreoiditis betrifft, bewegen sich die Heiler auf dünnem Eis, sofern sie damit ein völliges Verschwinden der Autoimmunerkrankung meinen und nicht nur eine Linderung der Symptome.

Anekdoten von wundersam geheilten Einzelfällen, die anderen Kranken große Hoffnungen machen, kursieren übrigens auch unter Wallfahrern – doch das macht die Pilgerreise noch nicht zur allgemein empfehlenswerten Heilmethode.

Zum Weiterlesen: Wird Hashimoto durch Leaky Gut verursacht?

Aktualisiert am 02.02.2016


Kommentare

Ist die Hashimoto-Thyreoiditis heilbar? — 2 Kommentare

  1. Mich ärgert wie leichtfertig manche Menschen bei hilfesuchenden Hashimoto-Patienten Hoffnungen schüren die weder sie selbst noch irgendjemand anderer erfüllen kann.

    Wer sich bereits gut auskennt wird auf solche leeren Versprechungen zwar nicht reinfallen, aber für einen neu diagnostizierten Hashimoto-Patienten bedeutet das unter Umständen sogar einen sehr viel längeren Leidensweg weil die notwendige Behandlung mit einem Schilddrüsenhormonpräparat unterbleibt.

    • Bei den Patienten fällt mir auf, dass sie die Bücher, die Hoffnung auf Heilung verkaufen, sofort bei Amazon besprechen, nachdem sie sie gelesen haben, manche sogar mittendrin, weil sie so begeistert sind. Was das Ganze am Ende gebracht hat und ob Hashimoto tatsächlich verschwunden ist, erfährt man meistens nicht. Dafür kommt wieder ein neuer Hoffnungsschimmer auf den Markt …

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