Welt-Osteoporose-Tag fast ohne Vitamin D

Heute ist Welt-Osteoporose-Tag! Verschiedene Organisationen machen auf das Problem aufmerksam, das besonders ältere Frauen betrifft. Die Überfunktion der Schilddrüse ist ebenso ein Risikofaktor für Osteoporose. Vorbeugend werden uns heute Bewegung, kalziumreiche Ernährung und eine gesunde Lebensweise empfohlen – alles sinnvoll, reicht aber nicht immer aus.

Der Körper braucht Vitamin D, um Kalzium gut aufzunehmen. Bei diesem Thema hält sich der Aktionstag zur Osteoporose an die konservative und wissenschaftlich gesehen fragwürdige Behauptung, dass der Körper genug Vitamin D bildet, wenn man sich täglich eine halbe Stunde im Freien aufhält.

Unter freiem Himmel genug Vitamin D bilden?

Doch im Winterhalbjahr bildet die Haut praktisch gar kein Vitamin D mehr, die Details hängen von der Tageszeit und dem geografischen Breitengrad ab. Im Alltag kann man eine Faustregel verwenden: Wenn die Sonne so hoch steht, dass der Schatten nicht länger ist als das schattenwerfende Objekt, ist die UV-B-Strahlung stark genug. Etwa von Oktober bis Mitte März ist das in Deutschland kaum der Fall, deshalb haben viele Menschen schon zum Jahreswechsel einen deutlichen Vitamin-D-Mangel.

Im Frühling nimmt die Sonnenstrahlung wieder deutlich zu. Das bedeutet aber auch, dass die Haut strapaziert wird: Sie bildet mehr Falten und das Risiko für weißen Hautkrebs steigt. Da ist es doch besser, in der Mittagszeit etwas Sonnenschutz aufzutragen oder im Schatten zu bleiben, und für die Vitamin-D-Versorgung ein Präparat einzunehmen.

Vitamin-D-Absatz und Verschreibungen nehmen zu

Das hat sich auch in der Bevölkerung herumgesprochen. Die gut Informierten unter den Schilddrüsenpatienten lassen ihren Vitamin-D-Wert messen und füllen ihren Mangel gezielt auf, andere Menschen werden durch Bestseller auf das Thema aufmerksam und sprechen ihren Arzt darauf an. Einige haben einen Privatarzt, der sich nicht von den Laborkosten bremsen lässt. Ist ein Mangel offensichtlich, verschreiben viele Ärzte das fehlende Vitamin D. Diese Grafik zeigt, dass der Absatz von Vitamin-D-Präparaten seit einigen Jahren deutlich wächst (die Prozente immer im Vergleich zum Vorjahr):

Aufwärtstrend beim Absatz der Vitamin-D-Präparate

Grafik: IMS Health Germany (zur vergrößerten Darstellung bitte klicken)

Der Mittags- oder Nachmittagsspaziergang ist im Spätherbst und Winter dennoch nicht überflüssig: Dabei können wir uns nicht nur bewegen, sondern auch Tageslicht tanken und das Risiko einer Winterdepression deutlich senken.


Kommentare

Welt-Osteoporose-Tag fast ohne Vitamin D — 3 Kommentare

  1. Hallo Irene,

    Vitamin D und sein Mangel ist mittlerweile so verbreitet, wie man es sich kaum vorstellen kann. Wichtig ist das dran zu bleiben, denn auch wenn man z.B. mit Dekristol substituiert, dauert es einige Monate, bis man passble Blutwerte erreicht. Und nicht vergessen zum D3 auch Magnesium und Vitamin K zu nehmen.

    LG
    Micha

  2. Immerhin wird Vitamin D hier erwähnt, aber leider kein Sollwert angegeben. Man sollte mindestens 45 ng/ml 25-OH Vitamin D im Serum haben, besser sind Werte um 60 ng/ml. Damit man dann nicht verkalkt, sollte man außerdem noch Vitamin K2 einnehmen. Bei vielen Patienten normalisiert sich die Schilddrüsenfunktion dann wieder. Nur durch Sonnenbaden kommt man in unseren Breiten nicht auf solche Werte. Man muß dazu teilweise bis zu 10.000 IE/d Vitamin D einnehmen. Das ist ein epidemisches Problem und wird normalerweise nicht behandelt. Die offiziellen Referenzwerte sind viel zu niedrig. Die ganze Osteoporosetherapie ist genauso verkorkst wie die Schilddrüsentherapie. Da Vitamin D nicht patentierbar ist, und die Therapiekosten lächerlich niedrig sind, wird sich daran mangels wirtschaftlicher Erfolgsaussichten auch sicher nichts ändern. An den Symptomen des Vitamin D-Mangels wird außerdem gut verdient.

    Außerdem ist Vitamin B12 sehr häufig zu niedrig, man bringe Holo-TC auf 100 pmol/l. Das geht meist nur über Spritzen.

    • Danke für den Kommentar.

      Ich gebe absichtlich keinen Sollwert an, weil das Thema zu komplex dafür ist. Meine Blogeinträge richten sich nicht an Vitamin-D-Nerds, sondern an Einsteiger, die womöglich dachten, dass die Sonne ausreicht, und die erst mal ausprobieren müssen, welche Tagesdosis Vitamin D sie überhaupt vertragen und womöglich einen Arzt finden, der den Speicherwert misst. Im anderen Blogeintrag ist aber der aktuelle Stand der Wissenschaft und weiteres Material verlinkt. Da hat sich in den letzten Jahren einiges getan, das Thema wird ernster genommen.

      Es gibt aber keine Beweise, dass ein Wert von 60 ng/ml generell besser ist als 45. Und schon für einen Wert von 45 ng/ml müssten manche Leute Vitamin D in Dosierungen nehmen, die sie gar nicht vertragen, weil irgendwann der Magnesiummangel zuschlägt und neue Symptome mit sich bringt. Sicher kann man Magnesium auch einnehmen, aber auch das verträgt nicht jeder in beliebiger Höhe. Und dann? Immodium gegen den Durchfall, Ibuprofen gegen den Stirnkopfschmerz und Zopiclon gegen die Schlafstörungen? Als Journalistin kann ich nicht nur von denjenigen Leuten ausgehen, die mit einer hohen Dosis gut fahren, oder unkritisch die werblichen Darstellungen von Privatärzten übernehmen, die die hohen Dosierungen als Beinahe-Wundermittel anpreisen.

      Vitamin D ist kein Ersatz für Schilddrüsenhormone. Es ist denkbar, dass jemand Thyroxin reduzieren kann, wenn Mängel beseitigt werden (vor allem wenn man die Mängel davor mit mehr Hormonen als zwingend nötig kompensiert hat, um mehr Energie zu haben), aber alles Weitere ist Prinzip Hoffnung oder der Placebo-Effekt, der nach einiger Zeit nachlassen kann.

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