Euthyrox: Die neue Rezeptur kommt 2019

Euthyrox-Schachteln alte Rezeptur

Euthyrox von der Firma Merck gehört zu den meist verschriebenen Thyroxin-Präparaten. Millionen nehmen es täglich gegen ihre Unterfunktion der Schilddrüse ein, nicht nur in Deutschland. Ausgerechnet in Frankreich, wo Euthyrox das einzige verfügbare Medikament mit L-Thyroxin ist, hat der Hersteller letztes Jahr die Rezeptur geändert und Euthyrox in neuer Formulierung auf den Markt gebracht.

Statt Laktose ist nun Mannitol enthalten, zusätzlich soll Zitronensäure die Stabilität und Haltbarkeit der Tabletten verbessern. Das heißt, es soll in Zukunft noch weniger Unterschied machen als bisher, ob eine Euthyrox-Packung neu gekauft wurde oder kurz vor dem aufgedruckten Haltbarkeitsdatum steht.

Neues Euthyrox, veränderte Wirkung

Damit werden die Anwender praktisch zu einem Präparatewechsel gezwungen: Wenn andere Zusatzstoffe enthalten sind, kann sich auch die Bioverfügbarkeit und damit die Wirkung der Tabletten leicht verändern. Die Betroffenen in Frankreich hatten teilweise den Eindruck, dass das neue Euthyrox diverse Nebenwirkungen mit sich bringt, die mit dem alten Präparat nicht aufgetreten waren. Französische Medien berichteten, und schließlich erreichte eine Petition dank 300.000 Unterschriften, dass das alte und das neue Euthyrox vorübergehend parallel in französischen Apotheken zu haben sind.

Welche Beschwerden traten mit den neuen Tabletten konkret auf? Das Ärzteblatt nennt „Haarausfall, Gewichts­zunahme, extreme Müdigkeit, Kopfschmerzen, Durchfall oder erhöhte Herzfrequenzen“ – das lässt doch an eine leichte Überdosierung denken, also an eine etwas stärkere Wirkung des neuen Euthyrox.

Dennoch hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) im Juli 2018 empfohlen, die neue Zusammensetzung von Euthyrox zuzulassen – dies gilt für 21 Länder. Zu den Vorreitern gehört die Schweiz, dort hat das neue Euthyrox bereits das alte Präparat abgelöst. Auch dort berichten einzelne Patienten von Problemen bei der Umstellung. Die Sache ist aber weniger dramatisch als in Frankreich, da es in der Schweiz ebenso wie in Deutschland eine große Auswahl an Thyroxin-Präparaten und damit weniger Betroffene gibt.

Für die Betroffenen bleibt die Frage:

Was passiert mit Euthyrox in Deutschland?

Wird auch hier das alte Euthyrox durch die neue Formulierung ersetzt werden und wenn ja, wie erfährt man davon? Und was könnten Menschen, die derzeit Euthyrox einnehmen, jetzt tun?

Ich habe direkt bei der Firma Merck nachgefragt, wann und wie das neue Euthyrox in Deutschland auf den Markt kommen wird. Die Antwort: Euthyrox wird in deutschen Apotheken voraussichtlich im zweiten Quartal 2019 in neuer Formulierung eingeführt. Kurz davor sollen Ärzte und Apotheker noch über diese Neuerung informiert werden. Die Neuerung soll auch optisch sichtbar werden: Euthyrox-Schachtel und Blister bekommen ein neues Design, damit man sie gut vom alten Euthyrox (siehe Bild) unterscheiden kann.

Für die Umstellungszeit empfehlen Merck und das BfArM, Laborwerte und ggf. auftretende Symptome zu beobachten, damit die Dosis wenn nötig angepasst werden kann. Für den Fall, dass das nicht hilft, erwähnt das BfArM auch die Möglichkeit, das Präparat ganz zu wechseln.

Wie weiter – altes oder neues Euthyrox nehmen?

Man sollte sich von den bisherigen Erfahrungen nicht komplett verunsichern lassen: Viele Patienten haben die neue Formulierung ohne Probleme vertragen. Ein Teil der Hashimoto-Patienten wird von den Ärzten ohnehin nur Pi mal Daumen (nach dem TSH-Wert) eingestellt und ist tendenziell eher unterdosiert. Deshalb könnten manche sogar von der Umstellung profitieren, falls das neue Euthyrox bei ihnen etwas stärker wirken sollte als das alte.

Meine persönliche Euthyrox-Dosis ist sehr sorgfältig ausgetüftelt, sodass ich derzeit nicht zu Experimenten bereit bin – weder zum Umstieg auf das neue Euthyrox noch zum Wechsel zu einer anderen Marke. Ich werde die Sache beim Hausarzt offen ansprechen und mir ein, zwei Schachteln Tabletten zusätzlich verschreiben lassen. Denn auch das alte Euthyrox kann man eine Weile lagern, ohne dass seine Wirkung spürbar nachlässt.

Außerdem: Euthyrox in Österreich und Novothyral

Auch in Österreich wird die neue Formulierung voraussichtlich im Lauf des Jahres 2019 eingeführt, genauer lässt sich das im Moment nicht sagen.

Interessant ist außerdem, dass für Novothyral derzeit keine neue Rezeptur geplant ist, obwohl dieses Präparat von Merck ebenfalls Laktose und Gelatine enthält. Novothyral taugt aber nicht als Ersatz für Euthyrox, weil es zusätzlich zu L-Thyroxin (T4) einen sehr hohen Anteil des Hormons T3 enthält.

aktualisiert am 17. Oktober 2018

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