Der TSH-Wert ist der am häufigsten untersuchte Laborwert der Schilddrüsen-Diagnostik. Dieser Wert wird manchmal auch ohne konkreten Verdacht gemessen, zum Beispiel bei Gesundheits-Checks oder bei Aufenthalten im Krankenhaus.

Bedeutung des TSH-Werts

TSH ist die Abkürzung für „Thyreoidea-stimulierendes Hormon“, es ist also ein Hormon, das die Schilddrüse (Thyreoidea) anregt, Hormone zu produzieren. Diese Schilddrüsenhormone heißen Trijodthyronin (T3) und Tetrajodthyronin oder Thyroxin (T4). Sie enthalten jeweils drei beziehungsweise vier Atome Jod, daher die Namen.

Wenn zu wenig Schilddrüsenhormone in Umlauf sind, steigt der TSH-Wert (auch TSH basal genannt) allmählich an. Das TSH ist also genau genommen kein Schilddrüsenhormon, sondern ein Steuerhormon. Es wird im Vorderlappen der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) produziert und stoßweise ausgeschüttet. Von hier aus wird nicht nur die Schilddrüse hormonell gesteuert, sondern auch einige andere Organe, die diverse Hormone produzieren.

Der TSH-Wert zeigt grob an, wie es um die Hormonproduktion ungefähr bestellt ist:

  • Ist der TSH-Wert zu niedrig, zeigt das eine Tendenz zur Schilddrüsenüberfunktion an.
  • Ist der TSH-Wert zu hoch, weist das auf eine Tendenz zur Schilddrüsenunterfunktion hin.

Welche TSH-Werte sind normal?

Das klingt nach einer eindeutigen Angelegenheit. Allerdings arbeiten medizinische Labors mit unterschiedlichen Obergrenzen für den TSH-Wert. Die Gründe müssen nicht unbedingt in der Messtechnik liegen, sondern haben oft damit zu tun, dass die zuständigen Laborärzte den TSH-Wert unterschiedlich bewerten.

Sehr weit verbreitet sind in deutschen Labors die TSH-Referenzbereiche von 0,3 bis 2,5 und von 0,3 bis 4,2 mU/l, manchmal ist auch eine Grauzone definiert. Die Messergebnisse können von Labor zu Labor etwas abweichen, sind aber halbwegs vergleichbar. Die Einheit des TSH-Werts ist immer mU/l.

Verschiedene TSH-Obergrenzen

Das Problem bei den Referenzbereichen des TSH-Werts ist: Je höher die Obergrenze angesetzt ist, umso später wird eine Tendenz zur Unterfunktion auffallen, falls immer nur der TSH-Wert betrachtet wird. Medizinische Studien, die nur die Blutwerte gesunder Menschen einbeziehen und die Werte der Schilddrüsenkranken beiseite lassen, haben eine relativ enge TSH-Norm ermittelt, die maximal bis 2,5 reicht. Diese TSH-Obergrenze hat sich in der medizinischen Praxis aber nicht allgemein durchgesetzt, und so wird eine Unterfunktion bei vielen Betroffenen erst mit mehrjähriger Verspätung erkannt.

Ein Referenzbereich, der bis 4,2 oder 4,5 mU/l geht, ist aber nicht falsch oder veraltet: Da nicht jeder Mensch mit einem TSH-Wert über 2,5 mU/l eine kranke Schilddrüse hat, bevorzugt manches Labor eine höhere Obergrenze für den Referenzbereich. (Noch ein Hinweis für Pharma-Kritiker: Es stimmt also nicht, dass die Pharmaindustrie überall immer engere Referenzwerte durchsetzt, um mehr Tabletten zu verkaufen.)

Was bedeutet ein normaler TSH-Wert?

Selbst wenn ein TSH-Wert gemessen wurde, der innerhalb des neueren und eng gefassten Bereichs liegt und damit unauffällig ist, schließt das Schilddrüsenprobleme nicht sicher aus: Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis entwickelt sich die Unterfunktion erst im Lauf der Zeit, wenn mehr und mehr Schilddrüsengewebe zerstört worden ist.

Hashimoto und damit verbundene Beschwerden könnten genau genommen bei jedem erdenklichen TSH-Wert vorhanden sein: Von der vorübergehenden Überfunktion bei Krankheitsbeginn über eine mehr oder weniger lange Phase mit normalen Werten bis zu einer starken Unterfunktion im späten Stadium wäre bei Hashimoto alles möglich. Siehe dazu das vorausgegangene Kapitel zum Verlauf der Hashimoto-Thyreoiditis.

Auch Knoten können weitgehend unabhängig vom TSH-Wert auftreten. Deshalb gehört zu einer gründlichen Schilddrüsen-Diagnostik mehr als nur das TSH zu messen (siehe die folgenden Kapitel).

Einflüsse auf den TSH-Wert

Außerdem könnte der TSH-Wert von manchen Medikamenten abgesenkt sein, das betrifft Acetylsalicylsäure (ASS / Aspirin), Heparin und Glukokortikoide. Auch das Rauchen könnte einen gewissen Einfluss auf das TSH haben.

Hinzu kommt, dass der Lebenswandel einen steigenden TSH-Wert zumindest vorübergehend oder teilweise ausgleichen könnte: Wenn die Hormonversorgung nicht mehr optimal ist, kann der Antrieb sinken, sodass der betroffene Mensch weniger aktiv ist und folglich weniger Hormone verbraucht. Dann steigt der TSH-Wert möglicherweise weniger stark an als bei voller Belastung.

Andererseits muss ein leicht erhöhter TSH-Wert nicht immer krankhaft sein: Auch starker Schlafmangel kann vorübergehend die TSH-Ausschüttung erhöhen. Ein hohes Körpergewicht könnte außerdem dauerhaft einen erhöhten TSH-Wert mit sich bringen, ohne dass immer eine Schilddrüsen-Erkrankung vorliegen muss. Aus diesen Gründen setzen manche Labors die Obergrenze lieber bei 4,2 oder höher an als bei 2,5 mU/l. Wie auch immer man diese Details einschätzen mag – der TSH-Wert ist nicht unfehlbar.

Nächstes Kapitel: Weitere Schilddrüsenwerte: freie Hormone (freie Werte)