Die Laborwerte und die weitere Dosierung der Hormone sollten Sie mit demjenigen Arzt besprechen, der die Blutentnahme veranlasst hat. Bei der Hausärztin kann das in der Sprechstunde geschehen, Fachärzte vergeben oft einen Telefontermin. Manche Facharztpraxen wälzen allerdings die Besprechung der Werte und Befunde sowie die Verschreibung von Medikamenten komplett auf die Hausärzte ab. Wenn am Ende der Hausarzt nicht verschreiben möchte, was die Fachärztin geraten hat, und Sie damit nicht einverstanden sind, können Sie nochmal bei der Facharztpraxis nachhaken, damit man Ihnen ein Rezept über L-Thyroxin in der empfohlenen Dosis per Post zuschickt.

Tipps zum praktischen Vorgehen

Die Blutprobe ins Labor zu senden und die Schilddrüsenwerte dort messen zu lassen dauert übrigens nur wenige Tage, nur speziellere Werte wie Antikörper können etwas länger dauern. Wenn sich Herausgabe und Besprechung der Laborbefunde wochenlang hinziehen, liegt das meistens an den organisatorischen Abläufen in der Arztpraxis. In dringenden Fällen sollten Sie aber nicht so lange auf die Werte warten – fassen Sie einfach telefonisch nach, falls es Ihnen schlecht geht oder Sie schwanger sind.

Bei der Anpassung der Hormondosis denken viele Ärzte in großzügigen Schritten von 25 µg. Solange Sie deutlich unterdosiert sind, ist es völlig in Ordnung, die Dosis in diesen Schritten zu steigern, sofern Sie es gut vertragen. Doch kurz vor dem Ziel wäre oft eine behutsamere Erhöhung der Dosis ratsam: Es ist möglich, dass jemand beispielsweise mit 75 µg noch leichte Symptome der Unterfunktion hat, aber mit 100 µg schon deutlich überdosiert wäre. Im Zweifel verschreiben die meisten Ärzte die niedrigere Dosis. Aber oft wäre es sinnvoll, eine Zwischendosis zu versuchen, im genannten Beispiel wären das 81 oder 87,5 µg L-Thyroxin.

Erhöhung in kleinen Schritten

Als Faustregel gilt: Je niedriger der TSH-Wert bereits ist, umso vorsichtiger sollte man die Dosis-Änderungen angehen und umso stärker wirken sie sich auf die freien Werte aus. Auch wenn Sie den TSH-Wert nicht direkt spüren, sondern die freien Hormone in Ihren Zellen wirken, ist der TSH-Wert bei der Dosierung der Hormone eine gewisse Hilfe. Wenn zum Beispiel der TSH-Wert um oder unter 1 liegt, könnte eine kleine Erhöhung oder Senkung um 6 µg L-Thyroxin in manchen Fällen schon viel bewirken. Bei einem eindeutig erhöhten TSH-Wert ist das weniger zu erwarten.

Es kann jedenfalls nicht schaden, dem Arzt selbst einen Vorschlag zu machen und nachzufragen, ob etwas dagegen spricht, die angeblich schon ausreichende Dosis noch ein wenig zu erhöhen. Die wenigsten Ärzte tüfteln die Dosis von sich aus so genau aus. Dass die Werte derzeit innerhalb der Referenzbereiche liegen, bedeutet aber nicht zwingend, dass jede Änderung der L-Thyroxin-Dosis falsch wäre. Meistens gibt es etwas Spielraum – nach oben, nach unten oder in beide Richtungen.

Für eine kleine Erhöhung könnten Sie sich zusätzliche Tabletten in einer anderen Stärke verschreiben lassen, mit denen sich eine leicht veränderte Dosis austüfteln lässt. Für kleine Steigerungsversuche sind Tabletten mit 25 µg L-Thyroxin praktisch, von denen Sie ein Viertel zusätzlich zur bisherigen Dosis nehmen könnten. Mit einem Tablettenteiler aus der Apotheke oder notfalls einem scharfen Messer können Sie Tabletten halbieren und vierteln. So ist praktisch jede Dosierung möglich, wenn Sie die Tabletten in verschiedenen Stärken im Haus haben. Beim Teilen entstandene Tablettenbrösel nehmen Sie ebenfalls ein.

Werte und Befinden zählen

Wenn über Änderungen der Dosis entschieden wird, sollten nicht nur die Laborwerte einbezogen werden, sondern auch Ihr persönliches Befinden. Anders gesagt: Niemand kann Ihre optimale L-Thyroxin-Dosis ausschließlich vom Laborblatt ablesen, auch die beste Spezialistin nicht unbedingt. Die Laborwerte zeigen nur, ob die Werte im Referenzbereich liegen, und wo genau innerhalb des Referenzbereichs. Und manche Ärztin weiß aus Erfahrung, wie wahrscheinlich es ist, dass diese Konstellation akzeptabel ist, und wie sich andere Patienten mit vergleichbaren Werten fühlen – falls sie den Betroffenen ausreichend zuhört und nicht nur deren Laborzettel therapiert.

Am besten ist es, wenn Ihr Arzt kein Bürokrat ist, der sich durch eine formal korrekte Verwaltung Ihrer Schilddrüsenwerte in erster Linie selbst absichern will, sondern bereit ist, auf Sie einzugehen und mit Ihnen zusammen zu arbeiten. Schildern Sie Ihre Symptome dabei möglichst klar und sachlich, das wirkt überzeugender als ein klagender Tonfall. Es kann helfen, sich vorher klar zu machen, was die wichtigsten Punkte sind. Wer zu sehr jammert und unübersichtliche Details ausbreitet, wird womöglich als lästig empfunden und abgewimmelt, vielleicht sogar mit der Unterstellung verbunden, es seinen gravierendere psychische Probleme im Spiel.

Versuchen Sie so aufzutreten, als seien Sie die souveräne Anwältin Ihres kranken Körpers, denn Sie haben ja kein emotionales Anliegen, sondern ein gesundheitliches. Damit steigern Sie nicht nur Ihre Chancen, einen guten Rat zu bekommen, sondern Sie machen sich auch innerlich unabhängiger von den Reaktionen des Arztes.

Es lohnt sich nicht, zum Beispiel wegen eines unpassenden Spruchs am Boden zerstört zu sein – ein Arzt ist auch nur ein Mensch mit Schwächen. Verständnis können Sie oft leichter von Freunden und in der Selbsthilfe bekommen als von einem Arzt, der womöglich eine überlaufene Praxis und viel Stress hat.

Nächstes Kapitel: Welche Zielbereiche für freie Werte (fT3 und fT4)?