Die Hormontablette nehmen Sie morgens nüchtern ein, nur mit einem Glas kaltem Leitungswasser. Mit anderen Getränken und dem Frühstück sollten Sie mindestens 30 Minuten warten, damit die Aufnahme des Wirkstoffs im Darm nicht durch die danach eintreffende Nahrung gestört wird. 45 oder 60 Minuten Abstand wären noch besser.

In der Packungsbeilage ist Soja erwähnt, weil es die Aufnahme stärker behindern könnte als andere Lebensmittel. Ein generelles Soja-Verbot ergibt sich daraus aber nicht. Für Soja-Fans wäre höchstens ein großzügiger zeitlicher Abstand zur L-Thyroxin-Tablette empfehlenswert.

Auch Kaffee beeinflusst die Aufnahme ungünstig. Außerdem verzögern heiße Getränke die Magenentleerung, sodass einige Unsicherheiten entstehen, wenn Sie nach der Thyroxin-Einnahme keine 30 Minuten abwarten. Wenn Sie Ihr L-Thyroxin trotzdem unbedingt zum schwarzen Kaffee oder Tee nehmen möchten, sollten Sie das zumindest täglich auf die gleiche Art und Weise tun und mit dem eigentlichen Frühstück möglichst eine ganze Stunde oder länger warten. Kaffee, Tee oder Kakao mit Milch eignen sich gar nicht als Getränk zum L-Thyroxin, weil das in der Milch enthaltene Kalzium die Aufnahme bremst. Auch Orangen- und Grapefruitsaft sind nicht das Richtige, um die Tablette hinunter zu spülen.

Das morgendliche Timing der Einnahme

Kein Problem ist es, das Frühstück auf später zu verschieben, ganz ausfallen zu lassen oder die Tabletten an freien Tagen einige Stunden später zu nehmen als an Arbeitstagen. Es kommt auf den Mindestabstand an, der sicherstellen soll, dass der Wirkstoff gut aufgenommen wird. Manche Menschen nehmen die Tablette frühmorgens ein und schlafen noch ein oder zwei Stunden. Und wer im Schichtdienst arbeitet, muss womöglich auch beim L-Thyroxin flexibel sein. Bei korrekter Einnahme werden bis zu 80 % des Hormons aus der Tablette aufgenommen, ansonsten weniger.

Wenn es weitere Medikamente gibt, die Sie nüchtern einnehmen sollten, ist es möglicherweise besser, dafür eine andere Tageszeit zu wählen, zum Beispiel vor dem Mittag- oder Abendessen. Dann ist L-Thyroxin längst ins Blut gegangen und wird nicht mehr durch andere Präparate behindert. Mineralien wie Magnesium, Kalzium, Eisen oder Zink sollten Sie auf keinen Fall zusammen mit L-Thyroxin nehmen, auch eine Stunde Abstand reicht hier nicht unbedingt. Die Einzelheiten können Sie mit den behandelnden Ärzten besprechen oder in der Apotheke um Rat fragen.

L-Thyroxin abends einnehmen?

Wer es morgens eilig hat und schon eine Viertelstunde nach dem Aufstehen einen Milchkaffee trinken oder ein Müsli essen möchte, hat ein Problem mit der üblichen Einnahme. Doch es ist auch möglich, L-Thyroxin direkt vor dem Schlafengehen einzunehmen, wenn die letzte Mahlzeit mindestens zwei (besser drei) Stunden her ist und Sie in den letzten zwei Stunden nur Wasser getrunken haben. Wer nach dem Abendessen noch Nüsse knabbert, Saft oder Rotwein trinkt, sollte also vorher auf die Uhr sehen. Manche können sich selbst überlisten, indem sie kurz nach dem Abendessen die Zähne putzen. So fällt es ihnen leichter, danach nichts mehr zu essen und nur noch Wasser zu trinken.

Nach zwei bis drei Stunden sind Sie zwar nicht 100 % nüchtern wie morgens, aber dafür bleibt dem Darm nach der Einnahme vor dem Schlafengehen umso mehr Zeit, das L-Thyroxin aufzunehmen. Man kann damit rechnen, dass die Tablette vergleichbar gut wirkt. Trotzdem sollten Sie beobachten, wie sich die Schilddrüsenwerte und Ihr Befinden nach einer Umstellung auf die abendliche Einnahme entwickeln. Rechnen Sie aber nicht von vornherein mit Schlafstörungen und anderen Problemen – manchen Menschen geht es mit der Abendeinnahme sogar besser.

Die Tablette eine halbe Stunde vor dem Abendessen statt vor dem Frühstück einzunehmen wäre eine weitere Möglichkeit.

Link: L-Thyroxin morgens nüchtern – muss das sein? (Deutsche Apotheker Zeitung)
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2018/03/29/l-thyroxin-morgens-nuechtern-muss-das-sein

L-Thyroxin einschleichen – so geht’s

Wenn Sie die L-Thyroxin-Behandlung schonend angehen möchten, können Sie mit der Hälfte der verordneten Dosis beginnen und etwa zehn bis vierzehn Tage später auf die volle Dosis hochgehen. Wenn Sie wegen einer starken Unterfunktion gleich 75 oder gar 100 µg nehmen sollen, könnten auch drei bis vier Schritte sinnvoll sein – zum Beispiel acht Tage lang ein Tablettenviertel, vierzehn Tage lang eine halbe Tablette, dann vierzehn Tage eine dreiviertel Tablette und schließlich die ganze Dosis, die bis zur nächsten Untersuchung so belassen wird. Ein derartiges Vorgehen nennt man „einschleichen“. Nach einer Total-Entfernung der Schilddrüse ist dieses Vorgehen aber weder notwendig noch sinnvoll, hier wird sofort mit einer vollen Dosis begonnen, die am Anfang provisorisch festgelegt wird.

Ansonsten raten viele Facharztpraxen ebenfalls zum Einschleichen, weil es verträglicher ist als den Körper gleich mit der vollen Dosis der noch ungewohnten Hormone zu überrumpeln. Sie könnten Ihre Ärztin auch selbst darauf ansprechen und den nächsten Untersuchungstermin auf den langsameren Einstieg abstimmen. Doch halten Sie sich nicht zu lange mit ganz kleinen Zwischenschritten auf – wochenlang nur 12,5 µg einzunehmen wäre übertrieben vorsichtig.

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