In der Arztpraxis haben Sie ein Recht darauf, dass Sie von Ihrem Untersuchungsergebnis (also dem ärztlichen Befund) erfahren. Im Fall einer Krankheit sollte der Arzt auch über die medizinische Diagnose und die gängigen Therapiemöglichkeiten aufklären.

Ein praktisches Problem dabei ist, dass sich Ärztinnen untereinander in einer komplizierten Fachsprache verständigen, aber sich im Gespräch mit Patientinnen allgemein verständlich ausdrücken sollten. Manchmal ist es dafür nötig, medizinische Zusammenhänge etwas vereinfacht darzustellen (in diesem Ratgeber übrigens auch). Einige Ärzte haben damit Probleme und drücken sich kompliziert bis unverständlich aus. Andere unterschätzen ihre Gesprächspartner eher und lassen manchmal wichtige Informationen beiseite, weil sie scheinbar zu kompliziert sind.

Manche Facharztpraxen delegieren die Besprechung der Untersuchungsergebnisse (Befunde) komplett an die Hausärzte, die sich im entsprechenden Fachgebiet möglicherweise nicht gut auskennen.

Wenn die Aufklärung fehlt

Wo auch immer es genau hakt – in Sachen Schilddrüse wissen einige Betroffene nur, dass sie eine Unterfunktion oder eine Überfunktion haben. Aber sie erhalten keine Erklärung, wieso es dazu kam oder wofür die verordneten Tabletten eigentlich gut sind. So ist es nicht überraschend, wenn Medikamente in manchen Fällen nicht regelmäßig eingenommen oder eines Tages beiläufig abgesetzt werden.

Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis kommt es auch manchmal vor, dass die Krankheit vom Facharzt zwar eindeutig diagnostiziert, den Patientinnen aber im Gespräch gesagt wird, alles sei in Ordnung. Das kann zum Beispiel vorkommen, wenn die Schilddrüsenwerte derzeit noch akzeptabel sind und keine Behandlung nötig ist. Ob dergleichen aus Bequemlichkeit geschieht oder weil man die Betroffenen nicht beunruhigen möchte, bleibt Spekulation. Eine solche Geheimniskrämerei kann jedenfalls dazu beitragen, dass sich die später doch noch nötige Behandlung erheblich verzögert. Nicht immer finden Folgeuntersuchungen in derselben Praxis statt – manchmal finden sie gar nicht mehr statt, weil doch scheinbar alles in Ordnung war.

Befunde und Berichte lesen und verstehen

Um so etwas zu vermeiden, lohnt es sich oft, die schriftlichen Berichte selbst zu lesen und die ärztliche Geheimsprache zu entschlüsseln. Beim Übersetzen von Begriffen können natürlich auch Hausärztinnen einspringen. Verwenden Sie Informationen aus dem Internet möglichst nur dann, wenn Sie die Zusammenhänge verstehen und auch die Seriosität Ihrer Informationsquellen einigermaßen einschätzen können. Auch medizinische Fachbücher aus Bibliotheken können manchmal helfen, etwas zu verstehen, ebenso die Hinweise erfahrener Mitglieder von Selbsthilfegruppen oder dieser Online-Ratgeber.

Doch zögern Sie bitte nicht, sich unverständliche Begriffe und unklare Zusammenhänge direkt vom zuständigen Arzt erklären zu lassen, der den Befund erhoben und den Bericht formuliert hat. Sie dürfen auch nachhaken, wenn im Bericht etwas anderes steht als der Arzt während der Untersuchung äußerte.

Zusammenfassend betrachtet, könnten folgende Befunde – mehr oder weniger – auf eine Hashimoto-Thyreoiditis oder eine mögliche Tendenz zur Unterfunktion hinweisen (siehe die vorigen Kapitel, die hier zum Teil nochmal verlinkt sind) und sollten neben typischen Symptomen in die Beurteilung einbezogen werden:


Die vorausgehenden Kapitel zeigen: Ab wann eine Unterfunktion vorliegt, ist teilweise eine Frage der Interpretation und des verwendeten Labors. Und die Hashimoto-Thyreoiditis ist manchmal eine Puzzleteil-Diagnose.

Nächstes Kapitel: Leben mit Hashimoto-Thyreoiditis (noch nicht online)

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