Der Bedarf an Schilddrüsenhormonen war während der Schwangerschaft gestiegen. Danach sinkt er wieder – aber nicht Monat für Monat, sondern unmittelbar nach der Entbindung. Deshalb kann die Dosis L-Thyroxin in einem einzigen Schritt entsprechend reduziert werden. Kleine Schritte beim Reduzieren wirken nicht sanfter, sondern könnten in den ersten Wochen eine Überfunktion mit sich bringen. Es ist auch kein Problem, wenn Sie am Tag der Geburt oder am Morgen danach die Tablette mit dem L-Thyroxin weglassen. Aber danach sollten Sie die reduzierte Dosis regelmäßig nehmen. Welche Dosis in Frage kommt, könnten Sie mit Ihrem Schilddrüsenarzt schon beim letzten Termin vor der Geburt klären.

Wenn Sie das Baby stillen, brauchen Sie wahrscheinlich ein wenig mehr L-Thyroxin als vor der Schwangerschaft. Eine Unterfunktion könnte die Milchbildung beeinträchtigen. Die Hormone gehen aber nicht in die Muttermilch über. Der Jodbedarf ist bei stillenden Müttern ebenfalls höher als nach dem Abstillen.

So beobachten Sie Schilddrüsenwerte und Befinden

Etwa vier Wochen nach der Geburt können Sie die ersten aussagekräftigen Schilddrüsenwerte machen lassen, um zu prüfen, ob die neue Dosis richtig gewählt wurde. Es lohnt sich, sich die Zeit für den Termin zu nehmen und sich nicht nur um das Baby, sondern auch gut um sich selbst zu kümmern. Gehen Sie wie immer ohne die morgendliche L-Thyroxin-Tablette zum Labortermin.

Falls Sie sich nicht fit fühlen sollten, könnten Sie auch schon ein wenig früher zur Blutentnahme gehen, um ein ungefähres Bild von der hormonellen Lage zu bekommen. Muss die Dosis nochmal angepasst werden, sollten Sie die Laborwerte nach vier bis sechs Wochen erneut kontrollieren lassen. Einige Wochen nach dem Abstillen ist ebenfalls eine Kontrolle der Schilddrüsenwerte sinnvoll, womöglich sollte die Dosis noch ein wenig reduziert werden. Wie sich diese Dosisanpassung tatsächlich auswirkt, sollte ebenfalls beobachtet werden.

Auch bei den Sexualhormonen ändert sich nach der Geburt einiges. Das kann Auswirkungen auf das Immunsystem und die Schilddrüse haben: Im Fall einer früheren Basedow-Erkrankung ist im ersten halben Jahr nach der Schwangerschaft die Rückfallgefahr erhöht, entsprechend könnte bei Hashimoto ein Krankheitsschub auftreten und die Hormondosierung womöglich wieder durcheinander bringen. Bei bisher Gesunden, die eine Veranlagung zu Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse haben, könnte nach einer Geburt erstmals Hashimoto oder Basedow ausbrechen.

Postpartale Thyreoiditis oder Hashimoto?

Eine postpartale Thyreoiditis wäre ebenfalls möglich, das betrifft ungefähr fünf bis zehn Prozent der Gebärenden. Wenn schon vorher Schilddrüsen-Antikörper vorhanden waren, ist das Risiko deutlich höher, dass es dazu kommt. Auch diese Postpartum-Thyreoiditis kann mit einer Überfunktion (Link zu Kapitel 1.3.) beginnen und ist wegen des oft ähnlichen Verlaufs kaum von der Hashimoto-Threoiditis zu unterscheiden (siehe Kapitel 1.5 zum Verlauf der Hashimoto-Thyreoiditis). Wenn Schilddrüsenwerte und Befinden anzeigen, dass sich eine Unterfunktion anbahnt, kann genauso mit L-Thyroxin behandelt werden wie bei einer Hashimoto-Thyreoiditis.

Einen wesentlichen Unterschied zu Hashimoto gibt es aber: Die postpartale Thyreoiditis kann wieder ausheilen – Laborwerte und Befinden zeigen gegebenenfalls, wie sich die Sache entwickelt. Wenn es Ihnen nicht gut geht und die Schilddrüsenwerte nicht optimal sind, sollten Sie aber nicht auf L-Thyroxin verzichten und sich auf eine mögliche Heilung versteifen: Schilddrüsenhormone könnten ausgeschlichen werden, falls die Schilddrüse eines Tages tatsächlich wieder gesund wird.

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