Manche Lebensmittel enthalten Stoffe, die die Jodaufnahme der Schilddrüse hemmen und langfristig einen Kropf (Struma) begünstigen können. Diese Substanzen heißen Goitrogene und kommen in manchen pflanzlichen Nahrungsmitteln vor. Das bekannteste Goitrogen ist die Sojabohne.

Weitere goitrogene Pflanzen

Dazu zählen auch etliche Gemüse und Kräuter, die Senfölglycoside enthalten – sie sind es, die auch für einen scharfen bis bitteren Geschmack sorgen: Das kennen wir von diversen Kohlsorten und Steckrüben, Rettich und Radieschen, Meerrettich und Senf, Kresse und Kapuzinerkresse.

Auch Zwiebeln, Erdnüsse und Walnüsse haben Inhaltsstoffe, die die Schilddrüse ein wenig bremsen könnten und bei übermäßigem Genuss ein wenig zum Kropf beitragen könnten. In üblichen Portionen sind alle genannten Lebensmittel überhaupt kein Problem für die Schilddrüse. Manche goitrogenen Wirkstoffe wie diejenigen des Kohls werden sowieso beim Kochen weitgehend zerstört. Radikaldiäten, bei denen zum Beispiel nur noch Kohlsuppe gegessen wird, sind eher aus anderen Gründen nicht empfehlenswert.

Hirse bei Hashimoto-Thyreoiditis?

In manchen Teilen Afrikas sind allerdings Kröpfe häufig, weil die Menschen Hirse oder Maniok als wichtigstes Grundnahrungsmittel verwenden und sich aus Armut sehr einseitig ernähren. Dieses Problem ist also nicht auf Menschen in Europa übertragbar, die einfach gern Hirse essen. Außerdem gibt es verschiedene Hirsesorten, die sich in ihren Kropf fördernden Inhaltsstoffen etwas unterscheiden können.

Hirse sollte auch bei Hashimoto oder einer anderen Thyreoiditis nicht schaden, denn eine starke Jodaufnahme ist hier sowieso nicht erwünscht. Ein Verdacht auf einen Jodmangelkropf wäre schon eher ein Grund, Hirse nicht täglich in großen Mengen zu verzehren (Link zu Kapitel 2.8. dieses Online-Ratgebers).

Soja und die Schilddrüse

Unter Menschen, die L-Thyroxin einnehmen (Link zu Teil 3), sorgt Soja für mehr Gesprächsstoff: Es ist sicherheitshalber in der Packungsbeilage von Schilddrüsenhormonen erwähnt, weil Sojanahrung die Aufnahme der Hormone im Darm verschlechtern könnte. Um das zu vermeiden, genügt es aber, Sojaprodukte nicht gleich beim Frühstück zu essen, wenn die Thyroxin-Einnahme womöglich nur eine halbe Stunde zurück liegt, sondern erst mit späteren Mahlzeiten. Sie können auch den zeitlichen Abstand zwischen L-Thyroxin und Frühstück vergrößern, wenn Ihnen ein sojahaltiges Frühstück wichtig ist und Sie in diesem Punkt sicher gehen möchten.

Was Soja als Goitrogen angeht, werden die Kropf fördernden Stoffe allerdings nur teilweise durch Erhitzen zerstört. Enthalten Mahlzeiten insgesamt große Mengen Soja, könnte das dazu beitragen, dass sich die Schilddrüse mit der Zeit vergrößert oder weniger Hormone produziert – inwieweit das tatsächlich passiert, ist aber nicht sicher bewiesen. Die wissenschaftliche Literatur über Soja ist zwar umfangreich, aber dieser Aspekt ist nicht eindeutig geklärt.

Soja enthält allerdings auch Stoffe, die die Sexualhormone beeinflussen können (mehr dazu am Ende des Kapitels) und auch zur Behandlung von Symptomen in den Wechseljahren eingesetzt werden. Dadurch sind auch indirekte Wirkungen auf die Schilddrüse denkbar, denn die Sexualhormone beeinflussen auch den Bedarf an Schilddrüsenhormonen.

Link: Soja-Lebensmittel: Riskant für die Schilddrüse? (Cochrane Österreich 2015)
www.medizin-transparent.at/soja-lebensmittel-riskant-fuer-die-schilddruese/

Sojanahrung pragmatisch gesehen

Praktisch betrachtet ist es aber nicht so kompliziert wie es auf den ersten Blick aussehen mag: Menschen, die Schilddrüsenhormone einnehmen und ihren Sojakonsum erheblich gesteigert, reduziert oder beendet haben, sollten zur Sicherheit etwa acht Wochen nach der Umstellung ihre Schilddrüsenwerte überprüfen lassen. Wenn nötig, können sie Ihre Hormondosis an die veränderte Lage anpassen.

Kurzfristige Schwankungen beim Sojagehalt sind kein Problem, der Verzehr muss also nicht jeden Tag gleich hoch sein. Schwierigkeiten könnte es eher bei länger anhaltenden Veränderungen geben, wenn es zum Beispiel eine Weile sehr viel Tofu und Sojamilch gibt und dann wochenlang gar keine Sojaprodukte mehr.

Falls Sie beginnen, regelmäßig Sojanahrung zu essen und sich nach einiger Zeit schlechter fühlen als vorher, und das trotz individuell passender Schilddrüsenwerte, sollten Sie pragmatisch ausprobieren, ob sich die Sache bessert, wenn Sie den Sojakonsum wieder reduzieren. Wenn Sie Soja mögen und erfahrungsgemäß gut damit zurechtkommen, bleiben Sie einfach dabei: Ein pauschales Sojaverbot bei Unterfunktion und L-Thyroxin-Einnahme gibt es nicht, das bestätigen auch Hersteller der Thyroxin-Präparate.

Der Hintergrund: Soja ist sicherheitshalber auf dem Beipackzettel erwähnt, weil es früher bei Säuglingen zu Problemen kam, wenn sie L-Thyroxin bekamen und wegen einer Milchunverträglichkeit mit Sojamilch ernährt wurden.

Wenn Sie Sojaprodukte essen möchten, dürfen Sie einfach ausprobieren, ob Sie sie vertragen. Manche Menschen reagieren allerdings allergisch darauf. Andere haben ein Problem mit Histamin, mit Phytinsäure oder kommen mit den schwer verdaulichen Kohlenhydraten der Hülsenfrüchte nicht gut zurecht.

Weitere hormonelle Wirkungen von Soja

Nahrung auf Sojabasis und weitere Goitrogene können sich bei einer Überfunktion tendenziell günstig aus wirken. Aber sie genügen bei weitem nicht als alleinige Therapie, um eine behandlungsbedürftige Überfunktion in den Griff zu bekommen (Link zu Kapitel 1.3.). Das zeigt schon, dass man das Thema Schilddrüse und Goitrogene auch bei einer Hashimoto-Thyreoiditis nicht überschätzen sollte.

Soja könnte allerdings gewisse Auswirkungen auf die Sexualhormone haben: Die Sojabohne ist reich an Isoflavonen, die zu den Phytoöstrogenen gehören. Diese Pflanzenstoffe finden sich in Sojamilch und Tofu, weitgehend abgebaut sind sie in fermentierten Produkten wie Sojasoße, Miso und Natto. Wer Beschwerden durch Sojasoße bekommt, dürfte eher ein Problem mit Histamin als mit Goitrogenen haben.

Isoflavone sind ähnlich gebaut wie Östrogene und können deshalb an den Östrogen-Rezeptoren andocken. Sie wirken dort aber nicht exakt wie Östrogene, sondern unter manchen Umständen auch blockierend. Ihre Wirkungsweise im Hormonhaushalt ist noch nicht vollständig geklärt. Das gilt auch für Präparate mit konzentrierten Isoflavonen aus Soja oder Rotklee, wie sie oft als natürliche Mittel gegen Beschwerden der Wechseljahre empfohlen werden (siehe auch Teil 6 über Sexualhormone).

Voriges Kapitel: Glutenfreie Ernährung wegen Hashimoto?

Es folgt Teil 9 über Naturheilkunde und Alternativmedizin

Direkt zum nächsten Kapitel: Pflanzenheilkunde – einige wirksame Mittel