Der niedrige Blutdruck kommt in diesem Ratgeber bereits als mögliches Symptom einer Unterfunktion der Schilddrüse vor, außerdem als typisches Symptom eines Cortisolmangels (Kapitel 7.2). Ein schlecht eingestellter Diabetes kann ebenfalls zu niedrigem Blutdruck führen.

Aber auch Menschen, die völlig gesund sind oder deren Hormone sehr sorgfältig und korrekt dosiert sind, können einen niedrigen Blutdruck haben. Das ist vor allem bei jungen und schlanken Menschen nicht selten.

Während der Einstellungsphase mit Schilddrüsenhormonen und bei größeren Dosisanpassungen kann es sich lohnen, Blutdruck und Puls zu messen und Veränderungen zu beobachten. Den Blutdruck misst man im Sitzen, nachdem man schon länger zur Ruhe gekommen ist. Wer ein Gerät für das Handgelenk verwendet, sollte das Messgerät etwa auf der Höhe des Herzens halten.

Welcher Blutdruck gilt als normal?

Die Blutdruckwerte bestehen aus zwei Zahlen, zusätzlich gibt das Gerät den Puls aus. Der obere Blutdruckwert ist der systolische Druck, der untere der diastolische Druck. Als normal gelten systolische Werte von etwa 110 bis 130 mmHg, bei Werten bis etwa 140 mmHg spricht man in Europa von hohen Normalwerten. (Um den Bluthochdruck geht es am Ende des vorigen Kapitels.)

Link: Grenzwerte für Systole und Diastole & Einteilung der Blutdruckwerte
https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/bluthochdruck/einteilung-der-blutdruckwerte.html

Auch wenn es Zusammenhänge zwischen Schilddrüse und Blutdruck gibt, sollte sich die Dosierung des L-Thyroxin nicht in erster Linie nach dem Blutdruck richten: Auch die Besserung oder Verschlechterung anderer Beschwerden ist wichtig, und natürlich die Schilddrüsenwerte selbst.

Niedriger Blutdruck – gesund oder krankhaft?

Von einem niedrigen Blutdruck spricht man, wenn der systolische Wert mehr oder weniger regelmäßig unter 110/60 mmHg liegt. Die Grenzwerte werden nicht immer einheitlich gehandhabt, manchmal werden Werte von 100/60 mmHg genannt oder dieser niedrigere Grenzwert nur für Frauen angegeben. Ein niedriger Blutdruck geht oft mit einem schnellen Puls einher.

Da ein niedriger Blutdruck im Gegensatz zum Bluthochdruck normalerweise nicht gefährlich ist und eher mit einer hohen Lebenserwartung einher geht, ist er nicht überall als Krankheit anerkannt. Manche Ärzte gratulieren ihren Patientinnen sogar zu ihrem niedrigen Blutdruck. Trotzdem sollten Sie das Thema mit dem Hausarzt besprechen, auch um eventuelle Ursachen zu klären.

Als Ursachen eines niedrigen Blutdrucks kommt neben hormonellen Problemen auch einige weitere Krankheiten sowie Nebenwirkungen von Medikamenten in Frage, zum Beispiel bei Antidepressiva. Aber oft lässt sich keine Ursache finden, dann ist er meistens eine und der niedrige Blutdruck ist eine Sache der Veranlagung. Viele dieser Menschen haben seit ihrer Jugend typische Beschwerden.

Symptome des niedrigen Blutdrucks

Der niedrige Blutdruck kann lästige Beschwerden verursachen: Typisch sind Müdigkeit und Konzentrationsprobleme sowie leichtes Frieren, kalte Hände und Füße. Auch Ohrensausen und kleine Sehstörungen wie Sternchen-Sehen können vorkommen. Die Beschwerden beruhen darauf, dass der niedrige Blutdruck die Sauerstoffversorgung verschlechtert. Das kann sogar die Stimmung ungünstig beeinflussen.

Ist das Problem stärker ausgeprägt, können leichte bis starke Schwindelgefühle auftreten, die im Extremfall zu einer kurzen Ohnmacht führen. Wenn es dabei zu Stürzen kommt, kann der niedrige Blutdruck am Ende doch gefährlich werden, vor allem für ältere Menschen. Bei ihnen könnte ein niedriger Blutdruck sogar die Durchblutung von Organen verschlechtern.

Leichter Schwindel durch niedrigen Blutdruck ist häufig und kommt besonders dann vor, wenn man morgens schnell aus dem Bett oder zwischendurch vom Liegen auf dem Sofa aufsteht. (Andere Arten von Schwindel sollten Sie separat ärztlich abklären lassen.)

Niedriger Blutdruck – was tun?

Probleme beim Aufstehen lassen sich vermeiden, indem man vorher mit den Füßen quasi in der Luft eine Runde Fahrrad fährt – schon eine Minute bringt viel. Wer morgens duscht, sollte mit einer kalten Brause für Arme und Beine abschließen. An heißen Sommertagen tut das auch zwischendurch gut. Wer venen- oder herzkrank ist, sollte sich vor der Anwendung der kalten Duschen oder Wechselduschen ärztlich beraten lassen.

Am Abend kann die kalte Dusche für die Beine sogar helfen, besser einzuschlafen. Bleiben die Füße kalt, stört das aber leicht beim Einschlafen, sodass man sich nicht genieren sollte, im Bett Socken anzuziehen.

Auch Bewegung wirkt sich bei niedrigem Blutdruck günstig aus, besonders moderates Ausdauertraining: Radfahren, Schwimmen, Walken, Bergwandern, Spaziergänge … auch einfache Dinge wie Treppensteigen regen den Kreislauf an und lassen sich gut in den Alltag einbauen.

Wer am Schreibtisch arbeitet, sollte zwischendurch aufstehen und sich bewegen. Wenn das nicht möglich ist, bringt es schon ein wenig, immer wieder die Beine zu schaukeln, sie anschließend nach vorne ausstrecken und schließlich zu dehnen. Durch häufige kleine Bewegungseinheiten zwischendurch tut man auch den Gelenken etwas Gutes.

Kommt zum niedrigen Blutdruck noch eine Tendenz zu Krampfadern hinzu, sind möglicherweise ärztlich verordnete Kompressionsstrümpfe sinnvoll. Lassen Sie sich bei Bedarf in einer Praxis für Phlebologie beraten. Es kann auch helfen, die Beine zwischendurch hochzulegen, etwa auf einen Hocker.

Ernährung und Getränke bei niedrigem Blutdruck

Vielen Menschen hilft es, regelmäßig Kaffee zu trinken: Wenn der Magen nichts dagegen hat, ist das überhaupt kein Problem. Auch schwarzer oder grüner Tee eignet sich – dabei wirkt Tee schwächer, aber länger als Kaffee. Bei niedrigem Blutdruck wird oft auch der abendliche Konsum gut vertragen und beeinträchtigt den Schlaf nicht. Wer Appetit auf salzreiche Nahrung hat, darf dem ebenfalls nachgeben, auch das kann hilfreich sein und bei einer Hypotonie zumindest nicht schaden (Schwangere ausgenommen). Auch eine gute Versorgung mit anderen Mineralien ist wichtig.

Ungünstig ist es, wenn man pro Tag weniger als zwei Liter Flüssigkeit zu sich nimmt – bei Hitze bräuchte man noch mehr – oder Alkohol trinkt. Sehr viel Wasser zu trinken erhöht allerdings auch den Bedarf an Salz und anderen Mineralien, sodass man nicht übertreiben sollte. Beides gilt auch für Menschen mit normalem Blutdruck, denn ein Mangel an Flüssigkeit (Dehydrierung) kann auch direkt und ohne Umweg über den Blutdruck etwas müde machen und Kopfschmerzen begünstigen.

Auch zu üppige Mahlzeiten machen müde und senken den Blutdruck. Deshalb ist es besser, die Mahlzeiten zu verkleinern und wenn nötig, einmal öfter zu essen. Reagiert jemand empfindlich auf Histamin, könnte auch das müde machen und den Blutdruck senken (andererseits kann Histamin den Blutdruck mancher Menschen auch erhöhen).

Ein Eisenmangel sollte ausgeschlossen oder behandelt werden. Wenn das alles nicht ausreichend helfen sollte, kommen auch Medikamente in Frage, darunter sind auch frei verkäufliche Tropfen. Es ist trotzdem sinnvoll, sich vorher vom Hausarzt beraten zu lassen. Die Naturheilkunde bietet außerdem Extrakte aus Kampfer, um den Blutdruck zu erhöhen und den Geist zu beleben, teils in Kombination mit Weißdorn.

Bluthochdruck immer ernst nehmen!

Wer dagegen keinen niedrigen, sondern einen ständig erhöhten Blutdruck hat, sollte sich in jedem Fall darum kümmern, obwohl er praktisch keine Beschwerden verursacht: Langfristig kann er nämlich die Gefäße schädigen und weitere Krankheiten nach sich ziehen. Bluthochdruck kann eine Frage der Veranlagung sein, aber auch Lebensstil und das Gewicht haben viel Einfluss. Mehr zum Thema finden Sie am Ende des vorigen Kapitels über Übergewicht, Insulinresistenz und Bluthochdruck.

Nächstes Kapitel: Das Fibromyalgie-Syndrom