Nun kommen wir zum Gegenteil der Unterfunktion: Eine Überfunktion (Hyperthyreose) bedeutet, dass die Schilddrüse zu viele Hormone freisetzt. Dadurch laufen praktisch alle körperlichen Vorgänge schneller ab.

Zur Definition: Von einer latenten Überfunktion spricht man in der Medizin, wenn der TSH-Wert erniedrigt oder nicht mehr messbar ist, aber die freien Hormonewerte (fT3 und fT4) im Normalbereich liegen. Eine manifeste Überfunktion (manifeste Hyperthyreose) liegt vor, wenn zusätzlich fT3 und/oder fT4 über dem Normbereich liegt. Aber auch bei freien Werten, die noch knapp im Normalbereich liegen, können erste Symptome der Überfunktion spürbar sein.

Liebe Besucher von Google und Ecosia, Sie befinden sich im Online-Ratgeber „Schilddrüsen-Unterfunktion, Hashimoto und Hormone“, welcher auch ein Kapitel zur Überfunktion enthält.

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Körperliche Symptome der Überfunktion

Während eine Unterfunktion die Abläufe im Körper verlangsamt, beschleunigt eine Schilddrüsen-Überfunktion den gesamten Stoffwechsel. Das kann vielerlei Symptome mit sich bringen: Das Herz schlägt rascher, der schnelle Puls kann sich wie Klopfen im Hals oder in den Ohren anfühlen, und bei starker Überfunktion kommen oft zittrige Hände hinzu.

Meistens nimmt das Gewicht ab, selbst wenn der Appetit stark ist und große Portionen verdrückt werden. Auch die Verdauung läuft beschleunigt ab, was bis zum Durchfall gehen kann. Das Gewicht nimmt meistens ab, obwohl der Appetit größer ist. Haare und Nägel wachsen schneller, das Haar kann fein und weich sein, oft kommt es aber zu Haarausfall. Wärme wird nicht mehr gut vertragen, die Erkrankten bevorzugen dünnere Kleidung und leichtere Bettdecken als vor der Schilddrüsen-Überfunktion.

Der allmähliche Muskelschwund vermindert die körperliche Kraft. Auch die Schlafprobleme tragen zur Erschöpfung bei. Bei Frauen im fruchtbaren Alter kommen Zyklusstörungen hinzu, oder die Menstruation bleibt zeitweise ganz aus.

Psychische Symptome der Überfunktion

Die Betroffenen sind nervös und unruhig. Sie können sich schlecht entspannen, kommen nur schwer zur Ruhe und haben Schlafprobleme. Die Überfunktion kann auch Ungeduld, Gereiztheit und sogar Aggressivität mit sich bringen, sodass das Leben in vielerlei Hinsicht anstrengender wird. Die innere Anspannung kann bei manchen Menschen auch mit Ängsten einher gehen.

Die psychischen Symptome können von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausfallen – manche leiden schon unter einer leichten Schilddrüsen-Überfunktion, andere fühlen sich durch einen gesteigerten Antrieb angenehm beschwingt und sind erst bei einer starken Überfunktion überreizt.

Ursachen der Schilddrüsenüberfunktion

Die wichtigsten Ursachen einer Schilddrüsen-Überfunktion sind:

  • Frühstadium der Hashimoto-Thyreoiditis
  • Morbus Basedow
  • Autonomie / heiße Knoten
  • extrem hohe Jodaufnahme auch bei gesunder Schilddrüse
  • Überdosierung von Schilddrüsen-Hormonen
  • Schwangerschafts-Hyperthyreose

Bei einer Überfunktion muss erst die Ursache geklärt werden, damit die passende Behandlung eingeleitet werden kann. Schilddrüsenhemmer sind nicht generell die richtige Therapie: Sie sind vor allem bei Morbus Basedow sinnvoll, bei anderen Ursachen einer Überfunktion kommen sie manchmal als Übergangslösung in Frage. Zur jahrelangen Dauertherapie eignen sie sich normalerweise nicht. Wenden Sie sich am besten an eine Facharztpraxis, auch wenn der Leidensdruck derzeit nicht groß sein sollte.

Die Autoimmunerkrankungen Hashimoto-Thyreoiditis und Morbus Basedow sind eine Frage der Veranlagung. Eine hohe Jodzufuhr kann dazu führen, dass eine dieser Krankheiten tatsächlich ausbricht. Dafür genügt wahrscheinlich auch eine sehr jodreiche Ernährung, die über längere Zeit aufrecht erhalten wird. Bei Morbus Basedow kann die Überfunktion allerdings viel dramatischer ausfallen als bei Hashimoto. Die Krankheiten können allerdings auch ineinander übergehen.

Falls Ihre Überfunktion auf einer Hashimoto-Thyreoiditis beruhen sollte, sind Sie in diesem Online-Ratgeber richtig, denn Hashimoto kann langfristig in eine Unterfunktion übergehen. Das gilt auch teilweise für die Hashimoto-Basedow-Mischform. Für Morbus Basedow und andere Ursachen der Überfunktion finden Sie unten einen Buchtipp.

Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion

Eine ausgeprägte Basedow-Überfunktion mit erhöhten freien Hormonwerten muss unbedingt behandelt werden – hier helfen Schilddrüsenhemmer. Sie müssen sorgfältig dosiert werden, dabei sollten die freien Hormone möglichst im Normalbereich liegen. Bei einer Autonomie bzw. heißen Knoten kommen Hemmer nur als Übergangslösung in Frage, bis das problematische Gewebe per Radiojodtherapie, per Operation oder eine andere Behandlung beseitigt ist. Ist die Schilddrüse ansonsten gesund, kann sie oft erhalten werden.

Bei Morbus Basedow dauert die Therapie mit Schilddrüsenhemmern je nach Verlauf etwa Jahr lang. In dieser Zeit müssen verschiedene Blutwerte regelmäßig kontrolliert werden. Dafür ist normalerweise eine Facharztpraxis notwendig, da Hausarztpraxen zu wenig Budget und oft auch zu wenig Erfahrung haben. War die Behandlung erfolgreich, werden die Hemmer ausgeschlichen.

Falls der Basedow-Schub durch die Hemmerbehandlung nicht eingedämmt werden kann oder trotz optimaler Behandlung bald nach dem Absetzen ein Rückfall auftritt, wird meistens empfohlen, die Schilddrüse per Operation entfernen zu lassen. Als Basedow-Patientin können Sie aber auch auf einen zweiten Versuch mit Tabletten bestehen, bevor operiert wird – besonders wenn in der ersten Behandlung einiges nicht ideal lief. Ist die Schilddrüse nicht mehr da, nehmen die Betroffenen die benötigten Hormone als Tabletten ein.

Allgemeine Empfehlungen für Betroffene

Bei einer Überfunktion sollte möglichst bald die Ursache geklärt werden, damit die passende Behandlung eingeleitet werden kann. Machen Sie sich bitte auch selbst kundig, denn manches Schilddrüsenproblem könnte Sie länger begleiten.

Zusätzliches Jod sollte bei einer Schilddrüsen-Überfunktion gemieden werden: Jodtabletten sind auch dann gefährlich, wenn die Überfunktion zusammen mit einem Kropf auftritt, manche Meeresalgen können ähnlich riskant sein. Auch Seefisch (Meeresfisch) und Jodsalz sollten weggelassen werden. Unjodiertes Meersalz ist aber kein Problem – es enthält viel weniger Jod, als die meisten Menschen vermuten.

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Stand: 23. November 2020