Die Schilddrüse stellt Hormone her, die für alle Zellen des Körpers wichtig sind. Entsprechend vielseitig können die Beschwerden ausfallen, wenn hier etwas nicht stimmt. Hier lesen Sie mehr über die Symptome der Unterfunktion.

Bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion (Hypothyreose) läuft der gesamte Stoffwechsel zu langsam ab. Dann sind andere Organe und Gewebe nicht mehr optimal versorgt. Deshalb fallen die Beschwerden sehr vielfältig und auch nicht bei jedem Menschen gleich aus.

Die ersten Symptome der Unterfunktion können schon auftreten, wenn die Laborwerte noch im Normalbereich liegen. Gut bekannte Symptome sind Trägheit und geringer Antrieb, Müdigkeit und erhöhtes Schlafbedürfnis. Auch nach ausreichend Schlaf kann es schwer fallen, morgens in die Gänge zu kommen, und manche der Erkrankten brauchen zusätzlich einen Mittagsschlaf.

Oft nimmt das Körpergewicht zu, schleichend oder auffallend schnell, obwohl die Essgewohnheiten nicht verändert wurden. Wenn jemand etwas aufgedunsen aussieht, sind wahrscheinlich Wassereinlagerungen beteiligt. Aber auch das Körperfett kann zunehmen, wenn der verlangsamte Stoffwechsel weniger Energie braucht, aber die Ernährung nicht angepasst wird. Übergewicht ist auch das bekannteste Symptom der Unterfunktion. Doch es sind viele weitere Beschwerden möglich.

Körperliche Symptome der Unterfunktion

Unabhängig vom Gewicht frieren viele Menschen in der Unterfunktion stärker als früher und kommen mit Kälte nicht mehr gut zurecht. Sogar die Körpertemperatur kann messbar absinken. Das war in früheren Zeiten, als man noch keine Schilddrüsenwerte messen konnte, ein sehr wichtiges Symptom der Unterfunktion.

Der Herzschlag verlangsamt sich normalerweise, der Ruhepuls kann auf unter 60 Schläge pro Minute sinken. Auch ein niedriger Blutdruck und Schwindel können vorkommen. Herzrasen oder hoher Blutdruck in der Unterfunktion sind nicht typisch, aber auch nicht grundsätzlich ausgeschlossen.

Eine Tendenz zur Verstopfung ist recht typisch, auch andere Verdauungsbeschwerden sind möglich. Viele Hashimoto-Patienten klagen außerdem über Sodbrennen (Reflux). Erhöhte Blutfettwerte kommen in der Unterfunktion recht häufig vor, werden aber nicht selten auf die Ernährung geschoben. Auch die Leberwerte können sich verschlechtern.

Die körperliche Leistungsfähigkeit nimmt allmählich ab, sowohl die Ausdauer als auch die Muskelkraft, und bei Anstrengungen kann Luftnot auftreten. Auch verspannte und schmerzende Muskeln kommen vor, besonders im Nackenbereich, ebenso Spannungskopfschmerz.

Die geistigen Leistungen werden meistens schlechter, besonders die Konzentration und das Kurzzeitgedächtnis: Gut bekannte Namen und Begriffe liegen quasi auf der Zunge, doch sie wollen den Betroffenen nicht einfallen. Auch beim Schreiben können mehr Fehler als früher passieren, und die Handschrift kann schlechter werden. Wer noch keine Diagnose hat, kommt nach solchen Erfahrungen womöglich auf die Idee, frühzeitig an Demenz erkrankt zu sein.

Eine Unterfunktion kann auch die Reaktionszeit verlängern, was im Straßenverkehr ebenfalls gefährlich werden könnte. Es müssen selbstverständlich nicht bei jedem betroffenen Menschen alle Symptome auftreten. Und manche Probleme schleichen sich mit den Jahren fast unbemerkt in das Leben ein.

Unterfunktion betrifft auch Sinne, Haut und Haare

Viele kleine Symptome der Unterfunktion werden üblicherweise nicht direkt mit der Schilddrüse in Verbindung gebracht: Die Stimme wird oft rau bis heiser, vor allem in den Morgenstunden. Die Sprechweise kann sogar etwas verwaschen klingen. Auch die Sehstärke bei Kurzsichtigen kann sich verändern, einige brauchen wegen der Unterfunktion eine stärkere Brille. Ohrgeräusche (Tinnitus) können ebenfalls vorkommen, und das Gehör kann sich verschlechtern. Nachts schlafen Hände und Unterarme leichter ein, das kann bis zu Beschwerden mit dem Nervenkanal (Karpaltunnel-Syndrom) gehen.

Haare und Nägel wachsen langsamer als früher. Auch Haarausfall und trockene Haare sowie splitternde, brüchige Fingernägel sind nicht selten. Das Gesicht oder die Lider können etwas aufgequollen aussehen und die Augen glanzlos. Die Haut kann in der Unterfunktion trocken und schuppig werden und sich leicht gelblich färben, weil Betacarotin nicht mehr gut verwertet wird, und das könnte wiederum Nachtblindheit begünstigen. Wenn sich verstärkt Muttermale bilden, könnte das auch mit der Unterfunktion zusammenhängen, sollte aber zusätzlich einem Hautarzt gezeigt werden.

Psychische Symptome der Unterfunktion

Häufig kommen seelische Beschwerden hinzu – eine Unterfunktion bringt oft depressive Verstimmungen mit sich, auch ausgeprägte Depressionen werden begünstigt. Manche der Erkrankten fühlen sich schneller emotional überfordert und reagieren labiler als früher. Solche Reaktionen sind nicht immer leicht von Stimmungsschwankungen anderer Art zu unterscheiden, und das erschöpfte Gefühl kann leicht mit einem Burnout verwechselt werden.

Ängste, Panikattacken, Unwirklichkeitsgefühl und einige andere psychische Symptome sind ebenfalls möglich, wenn auch nicht unbedingt typisch. Weitere seelische Belastungen könnten indirekt durch vermindertes sexuelles Verlangen und bei Männern durch Potenzprobleme entstehen.

Bei Frauen im gebärfähigen Alter sind außerdem Zyklusstörungen häufig, die Periode kann sogar ganz ausbleiben. Auch ohne offensichtliche Zyklusprobleme ist Unfruchtbarkeit möglich. Außerdem könnten Fehlgeburten durch eine Unterfunktion begünstigt werden.

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