Unter Chronic Fatigue versteht die Medizin eine schwere Erschöpfung auf körperlicher und mentaler Ebene, die sich durch Ausruhen nicht bessert. Deutsche Bezeichnungen dafür lauten chronisches Erschöpfungssyndrom sowie myalgische Enzephalomyelitis (ME).

Wer eine Erkrankung der Schilddrüse und diverse Symptome der Unterfunktion hat (Link zum ersten Kapitel), aber noch keine Diagnose, fragt sich womöglich, ob das Chronic Fatigue Syndrome eine Erklärung für diese Beschwerden sein könnte. Auch wenn das letzten Endes nur selten der Fall ist, gibt es hier einen Überblick zur ersten Orientierung. (Beachten Sie aber auch das vorausgehende Kapitel dieses Online-Ratgebers über das Fibromyalgie-Syndrom.)

Wie häufig ist das Chronic Fatigue Syndrom? Man geht in Deutschland und den USA davon aus, dass 0,3 % bzw. 0,4 % der Bevölkerung vom CFS betroffen sind, darunter deutlich mehr Frauen als Männer. Zum Vergleich: Die Autoimmunerkrankung Hashimoto-Thyreoiditis betrifft die zehn- bis zwanzigfache Zahl an Menschen.

Symptome des Chronic Fatigue Syndroms

Das CFS ist nicht irgendeine beliebige Erschöpfung, sondern eine schwere Multisystemerkrankung. Typisch sind Störungen des Immunsystems und des autonomen Nervensystems, man spricht deshalb auch von einer neuro-immunologischen Krankheit. Die Symptome sind vielfältig: Das Schlafbedürfnis ist erhöht, der Schlaf wirkt aber nicht erholsam. Normale Belastungen erschöpfen länger und viel stärker als früher, die Leistungsfähigkeit ist mindestens zur Hälfte vermindert. Bei schweren Fällen können auch kleine Alltagsaufgaben nicht mehr erledigt werden.

Typisch für das CFS sind auch Kopfschmerzen, Gelenk- und Muskelschmerzen, empfindliche und geschwollene Lymphknoten sowie eine erhöhte Anfälligkeit für Infekte. Viele der Erkrankten haben Konzentrations- und Merkstörungen („Brain Fog“). Manche leiden an einer starken Überempfindlichkeit der Sinne, die aber etwas anderes ist als zum Beispiel eine angeborene Geräuschempfindlichkeit.

Verlauf des Chronic Fatigue Sydroms

Meistens beginnt das Chronic Fatigue Syndrome recht plötzlich: Viele der Betroffenen erinnern sich gut daran, wann die CFS-Krankheit bei ihnen ausbrach, oft von einem Infekt begleitet. Davon erholen sich die Betroffenen nicht mehr vollständig, auch nicht längerfristig – manche werden sogar bettlägerig. Spontane Rückbildungen kommen gelegentlich vor, schwere Verläufe sind aber häufiger.


Video: Kurzer Bericht im Bayerischen Fernsehen über die betroffene Bloggerin Katharina

Diagnose und Differenzialdiagnose rund um CFS

In der ICD-Klassifikation ist das Chronic Fatigue Syndrom als neurologische Krankheit eingeordnet, umfassend erforscht und verstanden ist diese aber noch nicht. Früher wurden manchmal psychosomatische Ursachen unterstellt oder die Beschwerden der CFS-Kranken mit einer Depression erklärt. Das kann auch heute noch passieren, wenn Betroffene nicht gezielt untersucht werden und das Problem nicht erkannt wird. Eine internistische, neurologische und immunologische Abklärung ist bei einem konkreten Verdacht sinnvoll. Es gibt allerdings keinen Laborwert, der ein CFS direkt nachweisen kann.

Es sollten aber möglichst andere, teils häufigere Krankheiten ausgeschlossen werden, welche ähnliche Symptome mit sich bringen können. Es ist meistens sinnvoll, zuerst das nahe Liegende abklären zu lassen. Wenn eine andere Krankheit für die verminderte Belastbarkeit und weitere Beschwerden verantwortlich ist, zum Beispie Multiple Sklerose, Fibromyalgie oder Hashimoto-Thyreoiditis (Link zu Kapitel 1.5), spricht man nämlich nicht vom Chronic Fatigue Syndrom. Andererseits kommt ein CFS nicht zwingend alleine vor, sondern wird nicht selten von anderen Krankheiten begleitet, sodass die Abgrenzung derzeit noch schwierig bleibt.

Der allgemeinere Begriff der „Fatigue“ ist auch in anderen Zusammenhängen gebräuchlich, zum Beispiel bei Multipler Sklerose oder nach einer Krebsbehandlung.

Bundesverband Fatigatio e.V.: https://www.fatigatio.de

Deutsche Gesellschaft für ME/CFS: https://www.mecfs.de

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