Wenn Sie von einer Hashimoto-Thyreoiditis, einem Kropf (Struma) oder kalten Knoten betroffen sind, kommt möglicherweise auch bei normalen Schilddrüsenwerten eine Behandlung mit L-Thyroxin in Frage. Das kann der Fall sein, wenn die Werte genug Spielraum lassen.

Der Hintergrund: Wenn jemand L-Thyroxin einnimmt, produziert die Schilddrüse zum Ausgleich etwas weniger Hormone. Das wird vom hormonellen Regelkreis so gesteuert. Diese Anpassung zeigt sich im Labor am sinkenden TSH-Wert. Die freien Hormonwerte steigen also bei einer Einnahme von Schilddrüsenhormonen nicht in jedem Fall deutlich an. In manchen Fällen passiert das erst, wenn die L-Thyroxin-Dosis entsprechend erhöht wird.

Im folgenden Abschnitt lesen Sie mehr über die Behandlung der Hashimoto-Thyreoiditis mit L-Thyroxin trotz normaler Werte, weiter unten in diesem Text geht es um den Kropf mit und ohne Knoten.

Früher Beginn mit L-Thyroxin bei Hashimoto

Manchmal wird eine Hashimoto-Thyreoiditis in einer Phase des Krankheitsverlaufs festgestellt, in dem noch alle drei Schilddrüsenwerte (TSH, fT3 und fT4) im Referenzbereich liegen. Dann sehen viele Ärzte keinen Anlass, eine Behandlung einzuleiten oder sie den Betroffenen von sich aus anzubieten. Bei einem ganz unauffälligen TSH-Wert in Verbindung mit freien Hormonwerten im Mittelfeld ist es auch meistens nicht nötig.

Doch bei einer Hashimoto-Thyreoiditis und dazu passenden Beschwerden könnte in manchen Fällen auch bei normalen Schilddrüsenwerten ein Behandlungsversuch sinnvoll sein. Das gilt besonders dann, wenn der fT4-Wert niedrig-normal ist oder der TSH-Wert ständig über 2,5 mU/l liegt (Link zum Kapitel 2.2. dieses Ratgebers). Hinzu kommt noch, dass eine Behandlung mit L-Thyroxin den autoimmunen Angriff auf die Schilddrüse etwas dämpfen könnte. Auch bei Frauen mit Kinderwunsch kann eine frühzeitige Behandlung sinnvoll sein, ebenso wenn jemand kalte Knoten hat.

Die Sache sollte ungefährlich sein, wenn die Behandlung mit einer mäßigen Einstiegsdosis begonnen wird und nach angemessener Zeit die Laborwerte und das Befinden überprüft werden. Mit einer mäßigen Einstiegsdosis sind hier je nach Statur der betroffenen Person und ihren aktuellen Schilddrüsenwerten etwa 25 bis höchstens 50 µg L-Thyroxin gemeint.

Es gibt Entscheidungsspielraum!

Welche Werte noch unauffällig sind und welche nicht mehr, bleibt allerdings Ansichtssache. Außerdem können die freien Werte von Labor zu Labor unterschiedlich ausfallen. Nur eine Überfunktion der Schilddrüse spricht eindeutig gegen zusätzliche Schilddrüsenhormone in Form von L-Thyroxin.

Ansonsten erlaubt die ärztliche Therapiefreiheit und der damit verbundene Spielraum den Ärzten sogar dann eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen, wenn weder eine gesicherte Diagnose noch eine eindeutige Indikation vorliegt. Das sollte aber nur ausnahmsweise nötig werden, wenn vorher alle Untersuchungsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden und die Resultate sorgfältig beurteilt.

Wer zwar eindeutig eine Hashimoto-Thyreoiditis hat, sich aber ohne Behandlung noch gut fühlt, kann die Schilddrüsenwerte auch noch eine Weile beobachten lassen und sich in Ruhe über alles informieren. In diesem Fall sollten Sie die Laborwerte zweimal pro Jahr überprüfen lassen, und spätestens dann, wenn Sie sich schlechter fühlen.

Zum nächsten Kapitel springen: Welches L-Thyroxin-Präparat?

Normales TSH (Euthyreose) und Struma

Wie sieht es bei normalen Schilddrüsenwerten und mit Kropf aus? „Die Evidenzlage zur Diagnostik und Behandlung der Struma (nodosa) ist gering“, schreibt das Ärzteblatt in einem Übersichtsartikel zum Thema. Das heißt auf gut Deutsch: Der Stand der Forschung könnte besser sein.

Link: Euthyreote Struma mit und ohne Knoten – Diagnostik und Therapie. Ärzteblatt 2012.

Wann spricht man in der Medizin von einer Struma? Die Schilddrüse gilt als vergrößert, wenn ihr Volumen bei Frauen über 18 ml liegt, bei Männern über 25 ml. Steckt keine Hashimoto-Thyreoiditis dahinter und auch keine andere Erkrankung der Schilddrüse, kommen mehrere Wege in Frage: Diverse Medikamente (siehe unten) oder auch eine Beobachtung ganz ohne Behandlung, falls der Kropf keine Beschwerden macht. Typische Symptome wären ein beengtes Gefühl im Hals sowie Schluckbeschwerden.

Medikamentöse Behandlung des Kropfs (Struma)

Es gibt drei Möglichkeiten, einen Kropf mit Medikamenten zu behandeln: Die Einnahme von Jodid, von L-Thyroxin oder beiden Wirkstoffen zusammen. Eine latente oder manifeste Unterfunktion ist dafür keine Voraussetzung.

Geht man davon aus, dass der Kropf einer Patientin durch Jodmangel entstanden ist, empfehlen Ärzte meist, Jodid oder eine Kombination aus Jodid und L-Thyroxin einzunehmen. Liegen Knoten vor, haben sich die Kombipräparate aus Jodid und L-Thyroxin tendenziell am besten bewährt. Bei jüngeren Menschen wird Jodid oft den Kombipräparaten vorgezogen. Aber auch L-Thyroxin wäre bei Jugendlichen nicht grundsätzlich falsch.

L-Thyroxin ohne Jodid gegen den Kropf einzunehmen, kommt besonders dann in Frage, wenn ein Verdacht auf Hashimoto-Thyreoiditis nicht ausreichend ausgeräumt ist, wenn es eine Vorgeschichte mit Morbus Basedow gibt oder jemand das zugesetzte Jod nicht verträgt. Selbst wenn ein unerkannter Jodmangel vorliegen sollte, führt die Einnahme von L-Thyroxin dazu, dass der Jodbedarf der Schilddrüse sinkt und extra Jod nicht mehr unbedingt nötig ist.

Auch bei heißen Knoten wären Medikamente mit Jodid problematisch, weil das autonome Gewebe unkontrolliert Hormone produzieren würde. Je nach aufgenommener Jodmenge und Ausmaß der Autonomie könnte es zu einer Überfunktion kommen. In solchen Fällen wäre es sinnvoll, die Jodzufuhr niedrig zu halten. Je nach Ausmaß des Problems kann es auch nötig werden, die heißen Knoten zu beseitigen.

Wird eine Behandlung mit L-Thyroxin gewählt, sollte sie der hormonellen Ausgangslage entsprechen: Je unauffälliger die Schilddrüsenwerte vor der Behandlung sind, umso niedriger sollte man die Dosis wählen. Üblicherweise wird bei einem Kropf mit und ohne Knoten ein TSH-Wert angestrebt, der etwa im niedrig-normalen Bereich liegt (0,2 – 0,8 mU/l). Bei kalten Knoten kommt hinzu, dass eine Behandlung mit L-Thyroxin das Risiko senken kann, dass ein Knoten mit ansteigendem TSH-Wert weiterwächst und sich womöglich zu papillärem Schilddrüsenkrebs verändert.

Link: Serum TSH and Risk of Papillary Thyroid Cancer in Nodular Thyroid Disease. JCEM, 1 April 2012.

Welche Medikamente auch gewählt werden: Nach etwa zwei Monaten sollte man die Schilddrüsenwerte neu bestimmen lassen, um zu prüfen, ob die Dosis passt. Außerdem sollte ein Facharzt in etwa jährlichem Abstand im Ultraschall beobachten, ob sich der Kropf und eventuell vorhandene Knoten zurückbilden.

Falls der Kropf oder die Knoten größer werden, sollte die Behandlung umgestellt werden. In manchen Fällen kann es auch nötig sein, die Schilddrüse zu verkleinern, zu entfernen oder die Knoten gezielt zu beseitigen. Dafür kommen in erster Linie eine Operation oder eine Radiojodtherapie in Frage. Die Details hängen vom konkreten Fall und der Art der Knoten ab.

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