Auch bei Männern kann es vorkommen, dass zu wenig Sexualhormone produziert werden. Wenn nötig, kann das ein Androloge oder Endokrinologe genauer abklären. Das wichtigste Hormon ist hier das Testosteron, das in den Hoden hergestellt wird.

Ein Mangel an Testosteron kann allerhand Symptome mit sich bringen: Verminderte Spermienzahl, Rückgang der Libido und der Erektionen, Abnahme der Körperbehaarung, Verminderung der Muskelmasse und Knochendichte, leichte Anämie sowie eher unspezifische psychische Veränderungen.

Testosteronmangel und Ursachen abklären

Die Testosteron-Ausschüttung hängt von der Tageszeit ab, deshalb wird die Blutprobe üblicherweise morgens genommen. Die Testosteron-Produktion könnte durch eine Schilddrüsenunterfunktion vermindert sein, in diesem Fall sollte sich die Sache durch die passende Dosis L-Thyroxin bald wieder normalisieren. (Mehr zur Behandlung mit L-Thyroxin in Teil 3.)

Es kommen aber auch andere Ursachen in Frage, zum Beispiel Alkoholismus oder Diabetes. Bei starkem Mangel an Testosteron sollte zusätzlich an Störungen des Regelkreises und der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gedacht werden: Auch die Sexualhormone werden von hier aus gesteuert, bei Männern wie bei Frauen durch FSH und LH.

Testosteronmangel behandeln?

Dass ältere Männer einen niedrigeren Testosteronspiegel haben als jüngere, ist übrigens ganz normal. Das wird auch bei der Auswertung der Laborwerte berücksichtigt. Eine Hormonbehandlung mit Testosteron-Gel ist deshalb nur bei zusätzlichen Problemen sinnvoll.

Außerdem kann ein Mangel an Vitamin D oder Zink den Testosteronwert ein wenig senken, auch noch halbwegs akzeptabler Alkoholkonsum. Es könnte sich also lohnen, sich eigenständig um diese Themen zu kümmern. Ausdauersport und Muskeltraining wirken sich nicht nur vorteilhaft auf die Fitness aus, sondern auch auf die Testosteron-Produktion.

Östrogen und Progesteron beim Mann

Östrogene und Progesteron kommen im männlichen Körper ebenfalls vor, allerdings in geringeren Mengen als bei Frauen. Da Fettgewebe auch Östrogene produziert, begünstigt Übergewicht bei Männern (wie auch bei Frauen) eine Östrogen-Dominanz. Das kann bei Männern in Form eines Brustansatzes sichtbar werden. Schadstoffe aus der Umwelt, die ähnlich wie Östrogene wirken (so genannte Xenoöstrogene), können auch einiges durcheinander bringen und sogar die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Bestehen Zweifel an der Zeugungsfähigkeit, kann sie per Spermiogramm überprüft werden.

Anders als die Östrogene verweiblicht Progesteron den Körper nicht: Auch Männer haben es als Fetus im Mutterleib in hoher Konzentration erlebt. Deshalb könnten im Prinzip auch Männer von Progesteron profitieren, zum Beispiel bei einer Osteoporose oder einer Östrogen-Dominanz. Allerdings besteht hier viel weniger Erfahrung als mit der Progesteron-Behandlung von Frauen, sodass die praktischen Möglichkeiten für Männer derzeit noch begrenzt sind.

Realistischer wäre eine Behandlung mit Dehydroepiandrosteron (DHEA), einem schwach wirksamen Androgen, das vor allem in der Nebennierenrinde produziert wird. Im Lauf des Lebens sinkt die DHEA-Produktion erheblich ab. Der Körper kann DHEA unter anderem in Testosteron umwandeln. Auch Progesteron kann in Testosteron umgewandelt werden, allerdings in geringerem Maß als DHEA.

Weiter geht es mit Teil 7 – Begleitende Krankheiten und Probleme