Manche Menschen spüren schon bei einer noch niedrigen Einstiegsdosis ihrer Thyroxin-Tabletten, dass einige Beschwerden nachlassen. Andere müssen mehr Geduld aufbringen und sich erst zu ihrer optimalen Dosis vorarbeiten. Das kann etliche Monate bis zu einem Jahr dauern, je nachdem welche Menge jemand am Ende benötigt und wie oft die Dosierung angepasst wird.

Es kommt oft vor, dass die Wirkung der Hormone vor allem in den ersten Stunden nach der Einnahme angenehm gespürt wird, wenn die aktuelle Tagesdosis an L-Thyroxin in der Blutbahn unterwegs ist: Immerhin handelt es sich dabei um freies Thyroxin, das sich erst im Lauf der nächsten Stunden an Transport-Proteine bindet. Bis dahin wurde schon ein Teil von den Zellen aufgenommen.

Das Befinden im Tageslauf sollte aber gleichmäßiger werden, sobald die richtige Dosis gefunden ist. Falls dieses morgendliche Anfluten unangenehm ausfällt, obwohl die Dosis nicht zu hoch ist, könnten Sie eine Weile abwarten, ob sich das mit der Zeit von selbst gibt. Wenn nicht, könnten Sie sich beim nächsten mal L-Thyroxin eines anderen Herstellers verschreiben lassen.

Veränderungen in der Einstellungsphase

Bei manchen Menschen treten in der ersten Zeit mit L-Thyroxin einige Beschwerden auf, die an eine Überfunktion erinnern. Das liegt daran, dass sich der Körper bereits an eine schlechtere Hormonlage gewöhnt hat und sich nun auf eine bessere Versorgung einstellen muss – das braucht etwas Zeit. Andererseits bremst die Schilddrüse jetzt ihre Eigenproduktion, deshalb könnten die Beschwerden der Unterfunktion phasenweise sogar zunehmen. In diesem Fall sollten Sie durchhalten, nicht absetzen!

Manchmal kommen sogar neue Symptome der Unterfunktion hinzu, die bisher nicht vorhanden waren und nach einiger Zeit wieder abklingen, wenn eine besser passende Dosis erreicht ist. Auch das Gewicht kann während der Einstellungszeit etwas zu- und abnehmen, ebenso die Belastbarkeit. All das muss aber nicht passieren, die Reaktionen sind individuell verschieden. Die meisten Menschen kommen mit den Hormonen gut zurecht, besonders wenn die Unterfunktion nur leicht war. Erwarten Sie also keine angebliche „Erstverschlimmerung“ – so etwas ist nicht typisch.

Falls Sie zusätzliche Medikamente gegen einzelne Beschwerden einnehmen, kann sich durch L-Thyroxin ebenfalls einiges verändern. Wer beispielsweise Betablocker oder Kreislauftropfen nimmt, sollte regelmäßig den Blutdruck und den Ruhepuls messen. Möglicherweise sollten die Medikamente beim Arzt neu angepasst oder abgesetzt werden. Der Blutdruck wird am Arm auf der Höhe des Herzens gemessen. Wer ein Messgerät für das Handgelenk verwendet, sollte während der Messung den Arm in der entsprechenden Position halten.

Regelmäßige Einnahme der Thyroxin-Tabletten

Damit ein stabiles Hormonlevel aufgebaut wird, müssen Schilddrüsenhormone täglich eingenommen werden. Legen Sie sich die Dosis am besten schon am Abend bereit. Wenn Sie jeden Tag auf dieselbe Weise vorgehen, gewöhnen Sie sich schnell daran und müssen bald nicht mehr „extra“ daran denken. In der ersten Zeit kann eine Erinnerung des Weckers oder Telefons helfen.

Wenn Sie die Tablette ausnahmsweise weglassen, ist das kein Problem. Manche Menschen spüren nur für einen Tag etwas Müdigkeit oder andere kleine Beschwerden, die bald wieder vergehen. Die vergessene Tablette nachzuholen und am nächsten Tag die doppelte Dosis einzunehmen ist nicht sinnvoll.

Wenn die tägliche Dosis aber häufiger vergessen wird, bedeutet das eine geringere durchschnittliche Dosis und folglich ein niedrigeres Hormonlevel im Körper. Ein Beispiel: Eine Tablette von 75 µg, die zweimal pro Woche vergessen wird, entspricht einer durchschnittlichen Tagesdosis von nur noch 54 µg. Wer mit der Einnahme in der letzten Zeit nachlässig war, sollte ab jetzt konsequent sein und in fünf bis sechs Wochen wieder zur Blutentnahme gehen. Vorher hätte eine Kontrolle der Werte oder eine Anpassung der Dosis nicht viel Sinn.

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