Das ist psychosomatisch bedingt, das ist vegetativ bedingt, es wird wohl eine somatoforme Störung sein – so ähnlich lauten manche Verlegenheits-Diagnosen, auch von Ärztinnen, die gar keine psychosomatische oder psychiatrische Ausbildung haben: Wenn der Arzt nichts Organisches findet, aber dennoch verschiedene Symptome vorhanden sind, kann scheinbar nur noch die Psyche der Patientin für die rätselhaften Beschwerden verantwortlich sein. So eine locker aus dem Ärmel geschüttelte Annahme muss aber nicht unbedingt stimmen.

Was bedeutet der Begriff „psychosomatisch“ eigentlich? Die psychosomatische Medizin nimmt vereinfacht gesagt an, dass seelische Probleme und soziale Belastungen den Menschen krank machen können. Es können sich eindeutige körperliche Krankheiten entwickeln, es kommt aber auch vor, dass sich für manche Beschwerden trotz sorgfältiger Untersuchungen keine organische Ursache finden lässt.

Allerdings beruhen Teile der psychosomatischen Medizin auf unbewiesenen Annahmen der Psychoanalyse. Was man von diesem Thema auch halten mag: Die Psychosomatik besagt jedenfalls nicht, dass Beschwerden und Symptome nur simuliert oder eingebildet sind, auch wenn es von medizinischen und psychologischen Laien oft so aufgefasst wird.

Doch gelegentlich bedeutet eine Bemerkung zur Psychosomatik, dass dieser Arzt mit seinem Latein am Ende ist und den rätselhaften Fall abschließen möchte. Nicht alle Ärzte können es offen zugeben, wenn sie keine Erklärung für Beschwerden finden, und verstecken sich deshalb hinter einer psychosomatischen Pseudo-Diagnose.

Aus diesen Gründen ist es besser, sich forsche Bemerkungen zur Psyche nicht zu Herzen zu nehmen und nachzufragen, was die Ärztin damit überhaupt gemeint hat. Vielleicht klärt es sich auf, oder Sie möchten anschließend eine zweite ärztliche Meinung einholen oder sich zu einem Spezialisten einer anderen Fachrichtung überweisen lassen. Die Vermutung eines Arztes, die Beschwerden seien psychosomatisch bedingt, macht eine sorgfältige Diagnostik jedenfalls nicht überflüssig.

Falls dabei eine Erkrankung der Schilddrüse festgestellt wird, sollten Sie diese möglichst behandeln lassen, wenn sie Beschwerden oder andere ernste Probleme mit sich bringt. Aufenthalte in psychosomatischen Kliniken sind allein wegen der Schilddrüse und der zugehörigen Symptome nicht notwendig und sinnvoll.

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