Die Krankheit beginnt häufig mit einer leichten oder mittelstarken Überfunktion, die in diesem Zusammenhang „Hashitoxikose“ genannt wird. Diese Phase wird nicht immer ärztlich diagnostiziert und manchmal nicht einmal von den Betroffenen deutlich gespürt, falls die Überfunktion schwach ausfällt.

In dieser frühen Phase der Hashimoto-Thyreoiditis wird Schilddrüsengewebe zerstört. Dabei gelangen die im Gewebe gespeicherten Hormone unkontrolliert in die Blutbahn, was zur Überfunktion führt. Schilddrüsenhemmer helfen nicht direkt dagegen, da sie vor allem die Produktion der Hormone drosseln. Sie können aber nicht verhindern, dass bereits erzeugte Hormone bei einem Schub unkontrolliert freigesetzt werden. Manchmal werden dennoch Hemmer eingesetzt und können die Überfunktion indirekt etwas dämpfen.

Häufig eingesetzte Medikamente in diesem Stadium der Hashimoto-Thyreoiditis sind Betablocker, sie senken den Ruhepuls und den Blutdruck. Es ist außerdem sinnvoll, auf eine jodarme Ernährung zu achten. Außerdem kann es etwas bringen, Selen und Magnesium einzunehmen. Nach einigen Wochen bis einigen Monaten normalisieren sich die Schilddrüsenwerte meistens von selbst.

Auch im weiteren Verlauf der Hashimoto-Thyreoiditis geht Schilddrüsengewebe verloren, aber meistens deutlich langsamer und unauffälliger als während der Hashitoxikose. Es kann aber auch irgendwann ein weiterer merklicher Zerstörungsschub mit einer leichten Überfunktion auftreten. Wenn jemand bereits Schilddrüsenhormone einnimmt, kann ein Schub die Werte durcheinander bringen und Anpassungen der Dosis erforderlich machen. Auslöser für einen Schub können Infekte sein, die das Immunsystem stark aktivieren: Das dient der Krankheits-Bekämpfung, kann aber auch mit sich bringen, dass das Immunsystem die Schilddrüse stärker angreift.

Die Entstehung der Unterfunktion

Typisch für die Hashimoto-Thyreoiditis ist, dass das funktionsfähige Schilddrüsengewebe durch die schleichende Zerstörung langfristig schwindet. Dadurch nimmt die Hormonproduktion ab, mit der Zeit kann eine Unterfunktion entstehen. Die Unterfunktion ist also eine Folge der Hashimoto-Thyreoiditis, bei langsamem Verlauf eine Spätfolge. Die Betroffenen nehmen die fehlenden Schilddrüsenhormone als Medikament ein. (Worauf es dabei ankommt, lesen Sie später in Teil 3 dieses Ratgebers.)

Wenn schließlich kaum noch Gewebe vorhanden ist, sprechen manche Ärzte von einer ausgebrannten Schilddrüse. Die Krankheit kann aber auch so langsam und milde verlaufen, dass dieses Stadium niemals eintritt. Dennoch könnte eine Behandlung notwendig werden.

Verschiedene Typen der Thyreoiditis

Außerdem gibt es Verläufe, bei denen die Schilddrüse eher wächst, anstatt immer kleiner zu werden. Allerdings handelt es sich dabei um nicht funktionsfähiges Gewebe, sodass die Auswirkungen nicht viel anders sind als bei einer schrumpfenden Schilddrüse.

Früher wurden dafür zwei verschiedene Begriffe verwendet: „Ord-Thyreoiditis“ für die Autoimmunerkrankung mit verkleinerter Schilddrüse, „Hashimoto-Thyreoiditis“ für die vergrößerte Variante. Heute ist es üblich, beide Typen als Hashimoto zu bezeichnen. Als Oberbegriff gibt es noch die „Autoimmunthyreoiditis“, wobei üblicherweise auch Morbus Basedow mitgemeint ist.

Im ersten Halbjahr nach der Geburt kann außerdem eine postpartale Thyreoiditis auftreten, die von Hashimoto schwer zu unterscheiden ist. Allerdings heilt diese Krankheit in manchen Fällen wieder aus, sodass Schilddrüsenhormone nicht oder nicht dauerhaft benötigt werden.

Symptome einer Thyreoiditis

Nicht nur die Über- und Unterfunktion können Beschwerden mit sich bringen, sondern auch eine vergrößerte oder entzündete Schilddrüse. Möglich sind ein Druck- und Kloßgefühl im Hals sowie leichte Schmerzen in der Schilddrüse, die sogar zu den Ohren und zum Kiefer ausstrahlen können.

Starke Schmerzen weisen eher auf eine andere Krankheitsursache hin. Man sollte dabei auch an die Thyreoiditis de Quervain denken, die mit Schmerzmitteln oder mit Cortison behandelt wird und meistens ausheilt.

Weitere Probleme bei Hashimoto-Thyreoiditis

Auffällig ist, dass sich ein Teil der Hashimoto-Kranken mit häufigen Erkältungen und hartnäckigen Infekten herumplagt. Das könnte mit einer noch nicht ausreichend behandelten Unterfunktion zu tun haben, oder auch mit den heftigen Reaktionen des überaktiven Immunsystems. Zusätzlich könnte ein Mangel an Vitamin D oder an Zink häufige Erkältungen begünstigen.

Manches neurologische Symptom könnte autoimmun bedingt sein: An verschiedenen Teilen des Körpers sind schmerzlose Missempfindungen möglich – so genanntes Ameisenlaufen, Kribbeln, Prickeln oder ein pelziges Gefühl. Manche fürchten dann, an Multipler Sklerose (MS) zu leiden, was aber gar nicht der Fall sein muss. Treten das Kribbeln und die leichte Taubheit an den Händen auf, könnte ein Karpaltunnelsyndrom die Ursache sein – auch dafür ist die Neurologie zuständig.

Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis sind vielfältige Symptome möglich, die sich nicht immer eindeutig der Unterfunktion, dem Immunsystem oder einer anderen Ursache zuordnen lassen. Auch deshalb enthält dieser Ratgeber auch einen Überblick über Krankheiten, die oft zusammen mit der Hashimoto-Thyreoiditis vorkommen oder ähnliche Symptome mit sich bringen (Teil 6).

Hashimoto ist unheilbar – was heißt das konkret?

Die Hashimoto-Thyreoiditis gilt derzeit als nicht heilbar. Das bedeutet, dass es keine erwiesenermaßen wirksame Therapie gibt, die diese Krankheit überwinden könnte. Diese wissenschaftliche Sicht der Krankheit schließt nicht aus, dass es eines Tages eine derartige Behandlung geben wird, oder dass Hashimoto in Einzelfällen doch ausheilen könnte – so genannte Spontanheilungen sind zwar selten, aber möglich. Aber es existiert noch keine zuverlässige Heilmethode, auf die man sich verlassen könnte.

Da es im Verlauf der Hashimoto-Thyreoiditis oft zur Unterfunktion kommt oder einer Tendenz dazu, besteht die wichtigste Therapie darin, fehlende Schilddrüsenhormone zu ersetzen. Dieser Ratgeber geht aber auch auf einige Nebenbaustellen und mögliche Begleiterkrankungen der Hashimoto-Thyreoiditis ein.

Im folgenden Teil 2 geht es darum, wie eine Hashimoto-Thyreoiditis und eine Unterfunktion zuverlässig diagnostiziert werden können.

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