Die Laborwerte Thyreoglobulin und Kalzitonin (auch „Calcitonin“ geschrieben) werden zwar nicht für die Diagnostik der Unterfunktion und ihrer Ursachen gebraucht, sind aber auf manchem fachärztlichen Laborbogen zu finden. Außerdem verunsichern diese Werte manche Menschen, weil sie in einigen Fällen als Tumormarker gelten. Deshalb sollen sie hier kurz vorgestellt werden. Aber zögern Sie bitte nicht, sich die Werte von demjenigen Arzt erklären zu lassen, der die Messung veranlasst hat.

Das Eiweiß Thyreoglobulin

Thyreoglobulin spielt eine Hauptrolle als Vorläufer der Schilddrüsenhormone. Sowohl Thyreoglobulin als auch die Hormone T3 und T4 werden in den Thyreozyten produziert, die man auch Schilddrüsen-Epithelzellen oder Follikel-Ephitelzellen nennt. Diese Zellen sind so nebeneinander angeordnet, dass sie Bläschen (Follikel) bilden und einen Hohlraum umschließen. Im Querschnitt sehen die Follikel rundlich oder oval aus, gesäumt von den Thyreozyten. Die Follikel sind hohl geformt und mit einer zähen Masse (Kolloid) gefüllt.

In dieser Masse findet sich auch ein reichlicher Vorrat an Thyreoglobulin. Dieses Protein enthält die Aminosäure Tyrosin, einen wesentlichen Baustein für T3 und T4. In den Follikeln werden Jodatome an das Tyrosin angelagert, womit die Hormone T3 und T4 fast fertig sind. Bei diesem Vorgang dient die Thyreoperoxidase (TPO) als Enzym. (Bei der Oxidation des Jodid zu einer reaktionsfreudigeren Jodform entsteht außerdem Wasserstoffperoxid.)

Anschließend kann das jodierte Thyreoglobulin wieder von den Thyreozyten aufgenommen und dort durch weitere Enzyme in T3 und T4 zerlegt werden. Schließlich werden die fertigen Schilddrüsenhormone in den Blutkreislauf eingespeist. Die Produktion und die Freisetzung der Hormone steuert der TSH-Wert, bei einem gesunden Schilddrüsen-Stoffwechsel geschieht das nach Bedarf.

Bedeutung des Thyreogobulin-Wertes

Ein messbarer Thyreoglobulinwert ist also etwas ganz Normales, erhöhte Werte kommen bei diversen Schilddrüsen-Erkrankungen vor. Wird die Schilddrüse per Operation entfernt, sinkt der Thyreoglobulinwert ab. Deshalb kann er indirekt als Tumormarker dienen, falls die Schilddrüse wegen Schilddrüsenkrebs vollständig beseitigt wurde, denn in diesem Fall dürfte kein Thyreoglobulin mehr vorhanden sein. Wäre es doch nachweisbar, wäre das ein Hinweis auf nachgewachsenes Schilddrüsengewebe – die Sache müsste weiter abgeklärt werden.

Ohne eine solche Vorgeschichte ist nachweisbares Thyreoglobulin kein Grund zur Sorge. Auch ein erhöhter Wert muss keinen Krebs bedeuten. Antikörper gegen Thyreoglobulin und gegen Thyreoperoxidase sind etwas ganz anderes: Sie können auf Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse hinweisen, siehe voriges Kapitel über Antikörper.

Das Hormon Kalzitonin (Calcitonin)

Kalzitonin (auch Thyreocalitonin genannt) wird in den C-Zellen der Schilddrüse gebildet, welche neben den Thyreozyten liegen. Die Aufgabe des Kalzitonins liegt aber in einem ganz anderen Bereich – es hat eine Nebenrolle im Kalzium-Stoffwechsel, wo es als Gegenspieler des Parathormons dient: Kalzitonin senkt nach Mahlzeiten den Kalziumspiegel im Blut, indem es kurzfristig die Freisetzung aus den Knochen vermindert und die Ausscheidung durch die Nieren erhöht.

Wird die Schilddrüse per Operation entfernt, müssen die Betroffenen aber kein Kalzitonin einnehmen, es dient nur in Sonderfällen als Medikament. Der Hintergrund: Die Hauptrollen im Kalzium-Stoffwechsel haben ohnehin das Parathormon, das in den Nebenschilddrüsen gebildet wird, sowie das Kalzitriol (Calcitriol), das die Nieren und andere Organe aus Vitamin D herstellen.

Ein erhöhter Kalzitoninwert verdient mehr Aufmerksamkeit als ein niedriger: Als Ursache käme zwar ein medullärer Schilddrüsenkrebs (C-Zell-Karzinom) in Frage, aber auch eine C-Zell-Hyperplasie, eine Niereninsuffizienz, chronische Entzündungen und andere Erkrankungen. Eine leichte Erhöhung dieses Wertes ist auch bei einer Autoimmunthyreoiditis möglich, Medikamente für den Magenschutz können ebenfalls diesen Nebeneffekt haben.

In manchen Fällen kann es aber durchaus sinnvoll sein, den Kalzitoninwert zu messen, etwa bei einer knotig veränderten Schilddrüse. Liegt tatsächlich ein C-Zell-Karzinom vor, dient der Kalzitoninwert als Tumormarker.

Nächstes Kapitel: Ultraschall (Sonografie) der Schilddrüse