Über ein Fünftel der Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch haben eine latente oder manifeste Unterfunktion der Schilddrüse. Deshalb sollten sich betroffene Frauen im Zweifel in einer Schilddrüsen-Praxis untersuchen lassen. Zuständig sind in erster Linie die Endokrinologie und die Nuklearmedizin.

Dieses und das folgende Kapitel richten sich in erster Linie an Frauen mit Kinderwunsch und Schwangerschaft, welchen bereits eine Tendenz zur Unterfunktion oder eine Hashimoto-Thyreoiditis diagnostiziert wurde. Denn eine Unterfunktion kann den Menstruations-Zyklus stören und weitere Probleme mit sich bringen. Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis ist das Fehlgeburts-Risiko statistisch erhöht. Inwieweit das an den Schilddrüsen-Antikörpern, an zu wenig Schilddrüsenhormonen oder an etwas anderem liegt, steht nicht eindeutig fest.

Wer schon Fehlgeburten erleben musste, sollte aber auch andere häufige Ursachen bedenken und in einer dafür zuständigen Facharztpraxis abklären lassen, statt sich allein auf die Schilddrüse zu versteifen: Auch manch anderes Problem kommt nicht selten vor, zum Beispiel ein Progesteronmangel. Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis sollten auch Gerinnungsstörungen als Ursache in Betracht gezogen werden. Sind sie erst mal erkannt, können sie gut mit Medikamenten behandelt werden.

Wo sollte der TSH-Wert liegen?

Man hört und liest oft, bei Kinderwunsch solle der TSH-Wert etwa bei 1,0 mU/l liegen. Wichtig zu wissen ist, dass es sich nur um eine ganz grobe Faustregel handelt, die unter anderem in Kinderwunschkliniken angewandt wird. Ist die Schilddrüse gesund, darf der TSH-Wert auch etwas höher liegen.

Wer bereits L-Thyroxin braucht, ob nun wegen einer Hashimoto-Thyreoiditis oder nach einer Schilddrüsen-Entfernung, sollte darauf achten, dass die Schilddrüsenwerte gut eingestellt sind. Auf welchen TSH-Wert das hinausläuft, kann individuell recht unterschiedlich aussehen.

Ab welchem TSH-Wert bei einer Hashimoto-Thyreoiditis und Kinderwunsch eine Behandlung mit L-Thyroxin begonnen werden sollte, ist nicht speziell festgelegt. Hier kann es auch eine Rolle spielen, ob Sie Symptome haben und ob Sie selbst eine Behandlung wünschen. Eindeutig ist die Lage nur bei einer manifesten Unterfunktion, das heißt, bei erniedrigtem fT4-Wert. Aber darauf sollte man nicht unbedingt warten, weil sich die meisten Hashimoto-Betroffenen schon vorher nicht gut fühlen. Möglicherweise reduziert eine frühzeitige Behandlung sogar das Risiko, dass die Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt endet.

Falls Sie diesen Online-Ratgeber nicht der Reihe nach gelesen haben: Im Teil 3 geht es um die Behandlung mit L-Thyroxin, hier lesen Sie u.a. über L-Thyroxin trotz normaler Schilddrüsen-Werte.

Kinderwunsch und L-Thyroxin

Wer als Schilddrüsen-Patientin mit Kinderwunsch noch eindeutig in einer Unterfunktion ist oder deutlich mit L-Thyroxin unterdosiert, sollte gegebenenfalls verhüten. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Unterfunktion eine Schwangerschaft ohnehin verhindern wird, denn das ist nicht immer der Fall.

Die weitere Hormondosierung ist unkomplizierter, wenn die tägliche Dosis L-Thyroxin zum Zeitpunkt der Befruchtung schon ungefähr stimmt, denn in der Schwangerschaft kommen bald weitere Veränderungen hinzu (siehe nächstes Kapitel). Lassen Sie im Zweifel sich lieber etwas Zeit mit der Schwangerschaft und machen Sie das Beste daraus. Vielleicht ist es sowieso notwendig, vorher noch die Reserven an Eisen, Vitamin B12 und Vitamin D aufzufüllen oder eine wichtige Impfung nachzuholen.

Nächstes Kapitel: Die Schilddrüse in der Schwangerschaft