Die Radiojodtherapie zielt darauf ab, unerwünschtes Schilddrüsengewebe zu beseitigen. Diese Methode eignet sich gut, um eine vergrößerte Schilddrüse (Kropf oder Struma) etwas zu verkleinern oder um heiße Knoten möglichst gezielt zu beseitigen. Sie wird auf der nuklearmedizinischen Station eines Krankenhauses praktiziert: Die Betroffenen schlucken eine Kapsel, die radioaktives Jod enthält. Dieses wird von der Schilddrüse aufgenommen und zerstört dort je nach Dosis einen Teil des Gewebes. Das restliche Schilddrüsengewebe soll weitgehend erhalten bleiben.

Autonomie und heiße Knoten

Eine behandlungsbedürftige Autonomie der Schilddrüse liegt meistens in Form heißer Knoten vor, welche die Hormone T3 und T4 unabhängig vom Bedarf produzieren. Die Autonomie kann sich aber auch über die ganze Schilddrüse erstrecken – das nennt man disseminierte Autonomie. Typisch ist, dass heiße Knoten und anderes autonomes Gewebe nicht vom TSH-Wert gesteuert sind: Die Hormonproduktion hängt vor allem vom Jodgehalt der Nahrung ab.

Die Hormonwerte können deshalb erheblich schwanken: Jodreiche Nahrung oder jodhaltige Nahrungsergänzungsmittel führen zu einer höheren Hormonproduktion. Das kann Beschwerden der Überfunktion auslösen, die auf Dauer zu belastend sind. Deshalb sollte eine Autonomie bald beseitigt werden. Dabei ist die Radiojodtherapie der meist empfohlene Weg, sofern keine weiteren Probleme vorliegen.

Es wird in der Medizin üblicherweise angenommen, dass sich heiße Knoten als Spätfolge eines Jodmangels entwickeln. Ist die Autonomie bereits deutlich ausgeprägt, ist es aber für eine Behandlung mit Jodtabletten schon zu spät. (Interessant ist, dass heiße Knoten auch zusammen mit einer Hashimoto-Thyreoiditis auftreten können. Es wären also auch andere Ursachen als Jodmangel denkbar.)

Schilddrüsenhormone nach Radiojodtherapie?

Die Radiojodtherapie soll möglichst nur unerwünschtes Gewebe beseitigen. Dennoch könnte es passieren, dass die Schilddrüse hinterher nicht mehr die optimale Hormonmenge produziert und Sie deshalb L-Thyroxin in Tablettenform benötigen. Bei welchen Laborwerten Schilddrüsenhormone gegeben werden, ist auch hier Ermessenssache. Wenn es Ihnen nach einer Radiojodtherapie nicht gut geht, sollten Sie jedenfalls darauf bestehen, dass die Schilddrüsenwerte gemessen werden und Ihr Befinden ebenfalls berücksichtigt wird. (Mehr Informationen zum Behandlung mit L-Thyroxin finden Sie in Teil 3 dieses Ratgebers.) Nach einer Radiojodtherapie sind ohnehin jährliche Kontrollen vorgesehen, sodass Sie bei dieser Gelegenheit eventuelle Beschwerden ansprechen können.

Manchmal wird die Radiojodtherapie auch bei disseminierter Autonomie, Morbus Basedow oder einer Mischform angewandt. In diesen Fällen wird möglichst viel Gewebe beseitigt, damit in Zukunft keine Überfunktion mehr auftreten kann. Dieser Zerstörungsprozess zieht sich eine Weile hin und kann derweil mit stark schwankenden Schilddrüsenwerten einher gehen. Deshalb ist die die Hormoneinstellung etwas komplizierter und die Schilddrüsenwerte müssen häufig kontrolliert werden, um nicht den richtigen Zeitpunkt für den Beginn mit L-Thyroxin und notwendige Dosiserhöhungen zu verpassen. Wegen des hohen Risikos einer Augenbeteiligung ist die Radiojodtherapie bei Basedow und Mischformen nicht gut geeignet.

Da die Radiojodtherapie eine leichte Strahlenbelastung mit sich bringt, wird sie in Deutschland nur im Rahmen eines stationären Krankenhausaufenthalts angewandt. In vielen anderen Ländern ist das nicht der Fall, dort können die Behandelten am selben Tag wieder nach Hause gehen. Besteht Kinderwunsch, muss aber bedacht werden, dass Frauen nach einer Radiojodtherapie mindestens sechs Monate lang nicht schwanger werden sollten.

Alternativen zur Radiojodtherapie

Als Alternative bei einem oder wenigen heißen Knoten kämen möglicherweise auch andere Behandlungen als eine Radiojodtherapie oder eine Operation in Frage: Zur Beseitigung gutartiger Knoten werden sporadisch auch Mikrowellen- und Radiofrequenz-Ablation sowie Lasertherapie eingesetzt. Alkoholinjektionen eignen sich eher zur Verkleinerung von Zysten. Über die Details sollten Sie sich gegebenenfalls von Spezialistinnen beraten lassen.

Informieren Sie sich außerdem gut über die Vor- und Nachteile der Behandlungen, falls für Sie mehrere Möglichkeiten in Frage kommen. Für die Frage, ob eine Operation oder eine Radiojodtherapie besser geeignet wäre, eignen sich Hausärztinnen und Endokrinologen als neutrale Gesprächspartner – im Gegensatz zu Chirurginnen und Nuklearmedizinern führen diese weder Operationen noch Radiojodtherapien durch.

Zur Beseitigung kalter Knoten eignet sich die Radiojodtherapie nicht: Sie werden im Ultraschall beobachtet und eventuell mit Medikamenten behandelt. Bei Verdacht auf Krebs wird die Schilddrüse normalerweise operiert.

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