Wenn die freien Hormonwerte untersucht werden sollen, ist es wichtig, die Tablette morgens vor dem Arzttermin wegzulassen. Sie können die L-Thyroxin-Tablette hinterher nehmen – entweder direkt nach der Blutentnahme oder halbwegs nüchtern vor der nächsten Mahlzeit. Es ist auch kein Problem, sie ausnahmsweise ganz weglassen, wenn das nicht oft vorkommt.

Warum ist es wichtig, die Tablette am Morgen vor dem Labortermin nicht zu nehmen? Falls sie eingenommen wird, sind über Stunden mehr freie Hormone in der Blutbahn als sonst. Es sollte aber nicht dieser flüchtige Anstieg des freien Thyroxins gemessen werden, sondern diejenige Hormonmenge, welche unabhängig von dieser morgendlichen Spitze verfügbar ist. Deshalb ist es am sichersten, zwischen der letzten Hormoneinnahme und dem Labortermin 24 Stunden Abstand zu halten. Wegen einigen Stunden hin oder her brauchen Sie sich aber keine Gedanken machen. Vor der Blutentnahme zu frühstücken ist in Sachen Schilddrüsenwerte kein Problem, kann aber einige andere Laborwerte beeinflussen.

Was ist, wenn man die Tablette vorher genommen hat?

Wenn bereits Laborwerte nach morgendlicher Einnahme der Tablette gemacht wurden, ist der TSH-Wert trotzdem brauchbar: Die Tablette beeinflusst diesen Wert normalerweise nicht auf die Schnelle, das TSH reagiert etwas verzögert auf die hormonelle Lage.

Auch der fT3-Wert kann in die Beurteilung einbezogen werden, sofern Sie kein T3-haltiges Präparat einnehmen. Aber der fT4-Wert ist wahrscheinlich falsch erhöht, weil Sie morgens mit der Tablette freies Thyroxin (= fT4) eingenommen haben. Und Sie wissen nicht, in welchem Ausmaß sich das auf den Wert ausgewirkt hat.

Um sich die Sache besser vorstellen zu können, ein Vergleich aus dem Alltag: Eine Person, die knapp bei Kasse ist und kontrollieren möchte, ob sie in einem Monat mit dem Gehalt oder dem Taschengeld ausgekommen ist, sollte am Ende des Monats nachzählen und nicht schon in der ersten oder zweiten Woche.

Manche Arztpraxen raten trotzdem, die Tablette vor der Blutentnahme wie immer einzunehmen, und berücksichtigen vielleicht bei der Interpretation der Laborwerte, dass die Tablette morgens eingenommen wurde. Manches Labor setzt für diesen Fall sogar andere Referenzwerte mit höherer fT4-Obergrenze an. Aber das ist relativ ungenau, denn es gibt keine Formel, nach der der Einfluss der morgendlichen Tablette zuverlässig von den danach gemessenen Werten abgezogen werden könnte. Außerdem fällt der zeitliche Abstand zwischen Einnahme und Blutentnahme von Fall zu Fall unterschiedlich aus, was die Vergleichbarkeit der Werte noch weiter erschwert.

Praktische Tipps zur Blutentnahme

Legen Sie Arzttermine mit Bezug zur Schilddrüse möglichst auf den Vormittag und lassen Sie die Tablette vorsorglich weg. Dann sind Sie auf der sicheren Seite, falls Blut abgenommen wird und die freien Hormone gemessen werden. Informieren Sie die Arztpraxis darüber, dass Sie die Tablette nicht genommen haben, falls es bisher anders ablief.

Wer die Tablette immer vor dem Abendessen oder Schlafengehen einnimmt, könnte die Blutentnahme auf den Nachmittag legen, um ausreichend Abstand herzustellen, und am Abend darauf achten, dass es mit der Einnahme nicht zu spät wird. Wer gleich morgens zur Blutentnahme geht, kann die abendliche Tablette am Abend sicherheitshalber weglassen und die Hälfte davon nach der Blutentnahme nachholen. Die komplette Dosis wäre für empfindliche Menschen womöglich zuviel, weil ja schon am Abend eine weitere folgen wird.

Behalten Sie nicht nur die Werte und Dosierungen im Auge: Am besten notieren Sie sich schon am Tag der Blutentnahme, wie es Ihnen derzeit und mit der aktuellen Dosis geht und was Ihnen in den letzten Wochen möglicherweise aufgefallen ist. Wenn Sie das erst aufschreiben, wenn Sie die Laborwerte erhalten und sich eine erste Meinung dazu gebildet haben, könnte dies auch die Einschätzung des Befindens beeinflussen.

Und die Antikörper? TPO-AK und TG-AK sind vor allem für die Diagnostik wichtig. Der weitere Krankheitsverlauf und das Ausmaß der Beschwerden hängen aber nicht immer von ihrer Höhe ab, deshalb müssen sie nicht weiter beobachtet werden. Stark angestiegene Antikörper könnten allerdings auf einen Krankheitsschub hinweisen.

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