Jod ist ein Spurenelement mit einer besonderen Bedeutung für die Schilddrüse, denn das Organ benötigt Jod, um Hormone herzustellen: Ein Molekül Thyroxin enthält vier Jodatome, ein Molekül Trijodthyronin drei.

Der Jodbedarf der gesunden Schilddrüse

Der Jodbedarf erwachsener Menschen mit gesunder Schilddrüse ist individuell unterschiedlich, diverse Institutionen nennen etwa 150 bis 200 µg Jod pro Tag. Diese Mengen werden gesunden Menschen zur Vorbeugung eines Jodmangelkropfs empfohlen (Link zu Kapitel 2.8.). Der Jodgehalt der Nahrung ist dabei mitgemeint: Es kommt auf die gesamte Jodzufuhr an. In der Pubertät, der Schwangerschaft und der Stillzeit ist der Jodbedarf am höchsten (Links zu 5.5. und 5.6.). Raucher benötigen ebenfalls etwas mehr Jod als andere.

Woher bekommen wir Jod? Das Spurenelement ist im Boden, im Wasser und in den Pflanzen enthalten. Menschen und Tiere nehmen Jodverbindungen von Natur aus mit der Nahrung auf.

Besonders jodreich sind Nahrungsmittel, die aus dem Meer stammen. Der Grund dafür: Wasserlösliche Jodsalze werden teilweise vom Regen aus den Böden ausgewaschen und gelangen über die Flüsse ins Meer, wo sich gelöstes Jodid mit der Zeit angereichert hat – ähnlich wie Kochsalz, nur in viel geringeren Mengen.

Hier ist zusätzliches Jod enthalten

Bei abwechslungsreicher Ernährung ist Jodmangel in Mitteleuropa selten geworden, denn der Jodgehalt vieler Nahrungsmittel ist heutzutage künstlich erhöht: Industriell hergestellten Lebensmitteln, Backwaren und Kantinenessen wird häufig Jodsalz zugesetzt. Bei fertig abgepackten Lebensmitteln in Deutschland muss enthaltenes Jodsalz auf der Verpackung deklariert sein. An der Wursttheke, im Restaurant oder in der Kantine müssten Sie aber nachfragen, wenn Sie es genau wissen wollten.

Wer Schilddrüsenhormone als Medikament einnimmt, ist außerdem weniger auf Jod aus der Nahrung angewiesen. Das liegt vor allem daran, dass die Schilddrüse dann weniger Hormone selbst herstellen muss. Hinzu kommt, dass das eingenommene L-Thyroxin pro Molekül vier Jodatome enthält. Die Einnahme von 75 µg L-Thyroxin entspricht ungefähr 50 µg enthaltenem Jod, das nach der Dejodierung wieder verwendet werden kann: Hier arbeitet der Körper teilweise nach dem Recycling-Prinzip. Es wird aber auch laufend Jod ausgeschieden.

Vorsicht mit extra Jod bei Hashimoto!

Jod kann das Autoimmungeschehen der Schilddrüse verstärken. In welchem Ausmaß eine jodreiche Nahrung bei Hashimoto-Thyreoiditis schadet oder welche konsumierte Menge die Krankheit tatsächlich begünstigt, ist umstritten und lässt sich wohl nicht allgemein sagen, weil dies schwer messbar und wenig erforscht ist.

Auch die gefühlte Empfindlichkeit auf Jod kann individuell sehr unterschiedlich ausfallen. Manche Menschen reagieren auf jodreiche Nahrung ähnlich wie bei einer Nahrungsmittel-Intoleranz. Wenn Jod subjektiv vertragen wird und man nach einer jodreichen Mahlzeit keinerlei unangenehme Reaktionen spürt, bedeutet das aber nicht, dass es gebraucht wird oder dass es nicht schaden kann!

Zumindest steht eindeutig fest, dass es bei Hashimoto nicht sinnvoll ist, zusätzliches Jodid als Tablette einzunehmen oder gezielt Jodsalz zu verwenden, auch dann nicht, wenn man es scheinbar verträgt. Wer schon einmal an Morbus Basedow erkrankt war oder heiße Knoten in der Schilddrüse hat, sollte erst recht auf Jodpräparate verzichten (siehe auch Kapitel 1.3. zur Schilddrüsen-Überfunktion). Wer sich möglichst jodarm ernähren sollte oder möchte, erreicht das am einfachsten durch eine vegane Ernährung ohne Algen und ohne Jodsalz.

Wie viel macht Jodsalz überhaupt aus?

Jodiertes Speisesalz enthält pro Gramm Salz 15 bis 25 µg Jod, in der Schweiz 20 bis 30 µg. Das Spurenelement ist in Form von Kaliumjodat enthalten, das in der Natur nicht vorkommt, aber den Vorteil hat, dass es lichtstabil ist: Das spielt zum Beispiel eine Rolle, wenn der Salzstreuer auf dem Tisch stehen bleibt. Jodtabletten und Nahrungsergänzungsmittel enthalten normalerweise Kaliumjodid.

Wer unjodiertes Salz konsequent durch Jodsalz ersetzt, kann damit leicht auf über 100 µg zusätzliches Jod pro Tag kommen. Ähnliche Mengen finden sich in manchen Multimineral-Tabletten, die in Apotheken, Drogerien und Supermärkten angeboten werden.

Jod in tierischen Lebensmitteln – Milch, Ei und Fisch

Bei tierischen Lebensmitteln ist die Lage unübersichtlich: Der Jodgehalt von Milch und Eiern ist teilweise viel höher als vor Jahrzehnten, weil meistens jodreiches Tierfutter verwendet wird. Je nachdem wie die Nutztiere gefüttert werden und welche Zusätze sie bekommen, kann der Jodgehalt der Milchprodukte, der Eier und der daraus hergestellten Nahrungsmittel sehr unterschiedlich ausfallen.

Ein Beispiel aus dem Jahr 2017: Die Stiftung Warentest fand in der Kuhmilch verschiedenster Anbieter und Molkereien sehr unterschiedliche Jodgehalte – sie lagen zwischen 100 und 500 µg Jod pro Liter Milch. Dagegen sind Zahlen in Lebensmitteltabellen, in Büchern und im Internet nicht unbedingt zuverlässig, wenn es um den Jodgehalt von Milchprodukten geht. Oft beruhen die Angaben noch heute auf der Annahme, dass Milch generell ohne Futterzusätze produziert wird und folglich nur 35 µg Jod pro Liter enthält. Doch das ist nur noch bei sehr traditionellen Haltungsformen der Fall.

Link: Milch-Test der Stiftung Warentest
Qualität meist gut – aber Biomilch-Kühe habens besser
www.test.de/Test-Milch-1590601-0

Seefisch (Meeresfisch) ist eine bekannte Jodquelle, die außerdem gesunde Fettsäuren enthält. Wer wegen einer Hashimoto-Thyreoiditis zusätzliches Jod meiden, aber nicht auf Fisch verzichten möchte, könnte Seefisch durch Süßwasserfisch ersetzen. Manche Süßwasserfische stammen allerdings aus Aquakulturen und haben möglicherweise Futterbestandteile aus dem Meer erhalten, sodass ihr Jodgehalt etwas erhöht ist, aber nicht an Seefisch heranreicht. Aber auch die verschiedenen Arten von Seefisch unterscheiden sich im Jodgehalt.

Vorsicht bei Meeresalgen!

Algen sollten Sie bei Hashimoto-Thyreoiditis lieber nicht essen, denn unter den Meeresalgen sind extrem jodreiche Arten. Wenn Sie Sushi mögen, könnten Sie solche Röllchen wählen, die ohne Algen zubereitet sind, auch wenn die üblichen Sushi-Algen nicht zu den extrem jodreichen Algen zählen. Der Jodgehalt von Meeresalgen wird meistens in Milligramm (mg) angegeben, der Gehalt von Jodtabletten und Lebensmitteln in Mikrogramm (µg)!

Soja- oder Reismilch kann mit kalziumhaltigen Algen angereichert sein – lesen Sie bitte die Zutatenliste genau durch. Für Veganer ohne Schilddrüsenproblem sind solche Zusätze durchaus sinnvoll, zumindest wenn sie keine Veranlagung zu Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse haben. Wenn jemand an Hashimoto, Basedow oder heißen Knoten erkrankt ist, sollten solche Produkte möglichst gemieden werden. Sogar Süßwasseralgen, die zur Nahrungsergänzung und angeblichen Entgiftung angeboten werden, können um die 500 µg Jod pro 100 g Tabletten enthalten.

Fachartikel: Analysis of iodine content in seaweed by GC-ECD and estimation of iodine intake (Journal of Food and Drug Analysis, Vol. 22, Issue 2, June 2014, Pages 189-196)
www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1021949814000155

Meersalz enthält nur ganz wenig Jod, weil es beim Trocknen des Salzes großteils verdampft. Allerdings gibt es einzelne Schilddrüsenpatienten, die sich in der jodhaltigen Luft am Meer schlechter fühlen, ebenso in einem jodreichen Thermalbad.

Äußerlich angewandtes Jod auf der Haut

Äußerlich sollten Sie Jod zur Sicherheit nur vorsichtig oder gar nicht auftragen, weil es über die Haut gut aufgenommen wird. Jodhaltige Wunddesinfektionsmittel sind auch für schilddrüsenkranke Menschen zugelassen, obwohl im Einzelfall nicht sicher ausgeschlossen werden kann, dass sie sich ungünstig auf manchen Krankheitsverlauf auswirken.

Wenn Sie vermeiden möchten, dass Ihre Wunden nach einem Unfall oder nach einer Operation mit jodhaltigen Mitteln desinfiziert werden, müssen Sie sich wahrscheinlich selbst darum kümmern. Sprechen Sie das Krankenhaus- oder Praxispersonal gezielt darauf an und achten Sie darauf, dass Sie tatsächlich die zuständige Person vor sich haben, damit Ihr Anliegen nicht in der gewohnten Routine untergeht. Für jodhaltiges Kontrastmittel gilt das erst recht. Falls für eine unvermeidliche Untersuchung kein anderes Kontrastmittel in Frage kommt, könnte die Schilddrüse vorher mit Perchlorat-Tropfen blockiert werden.

In alternativen Kreisen im Internet wird neuerdings behauptet, man könne einen Jodmangel nachweisen, indem man Jodlösung auf die Haut aufträgt und beobachtet, wie schnell die Lösung einzieht. Das ist gefährlicher Unsinn, der sogar einen Hashimoto-Schub auslösen könnte. Das gilt sinngemäß für eine Hochdosis-Jodtherapie (Link zu Kapitel 9.4.).

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