Das Schilddrüsenhormon T3 hat eine relativ kurze Halbwertszeit: Schon nach 19 Stunden ist die Hälfte einer eingenommenen Dosis wieder verbraucht und abgebaut. Bei der Einnahme von T3 als Medikament kommt das so genannte „Anfluten“ hinzu, das die aktuelle Dosis in den Stunden nach der Einnahme ebenfalls stärker wirken lässt. Das heißt, T3 wirkt viel kurzfristiger als das T4, das man als L-Thyroxin einnimmt. (Gesundes Schilddrüsengewebe setzt beide Hormone über den ganzen Tag verteilt frei.)

Die kurze Halbwertszeit von T3 kann je nach morgendlicher Dosis darauf hinaus laufen, dass die T3-Versorgung in der ersten Tageshälfte über dem Optimum liegt – dann fühlen Sie sich womöglich nervös und kehren zum reinen L-Thyroxin-Präparat zurück. Wenn aber T3 zurückhaltender dosiert wird, könnte es passieren, dass es in der ersten Tageshälfte relativ gut passt, aber am Abend die Symptome der Unterversorgung wieder deutlicher spürbar werden.

Um eine gleichmäßigere Versorgung mit dem komplizierteren Hormon T3 zu ermöglichen, verteilen erfahrene Anwenderinnen ihre Tagesdosis auf zwei oder drei Portionen und nennen es „splitten“. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn typische Symptome, gegen die T3 eigentlich hilft, im Lauf des Tages wiederkommen oder auch dann, wenn jemand eine höhere Tagesdosis als 5 µg T3 einnimmt.

T3-Dosis über den Tag verteilen – so geht’s

Praktisch kann die gesplittete Einnahme so aussehen, dass Sie morgens eine kleine Dosis zusammen mit dem L-Thyroxin einnehmen und die zweite Dosis am Nachmittag. Als Erinnerungshilfe eignet sich ein Mobiltelefon.

Die über den Tag verteilte Einnahme ist gut machbar, weil T3 im Gegensatz zu L-Thyroxin auch noch nach den Mahlzeiten eingenommen werden darf: Anders als T4 wird T3 anscheinend trotzdem recht gut aufgenommen, so jedenfalls die Erfahrung von Betroffenen. Es ist zwar denkbar, dass die Aufnahme des Hormons durch die Nahrung zeitlich gesehen etwas verzögert wird, aber das wäre gar nicht schlecht, wenn sowieso eine gleichmäßigere Wirkung angestrebt wird.

Ist man bei der Einnahme nicht nüchtern, eignet sich ein T3-Monopräparat am besten für die gesplittete Einnahme, weil sonst die T4-Aufnahme gebremst werden könnte. T3 lässt sich in Form von Tropfen besonders fein dosieren. Aber Sie dürfen selbstverständlich auch T3-Tabletten (in Deutschland wäre das Thybon mit 20 µg pro Tablette) verwenden und diese provisorisch vierteln und sogar achteln, wenn Sie dabei geschickt und penibel vorgehen und auch alle anfallenden Brösel einbeziehen. Die Hersteller der Schilddrüsen-Tabletten empfehlen zwar lediglich die ganze oder halbierte Einnahme ihrer Tabletten, weil sie ansonsten nicht für die Genauigkeit der Dosis garantieren können – doch dabei hat wohl niemand an das Splitten gedacht. Aber letzten Endes wäre eine nicht völlig exakte Dosis besser und verträglicher als eine ständige Überdosierung, sodass ein Kompromiss völlig in Ordnung ist.

Wenn Sie Ihre T3-Dosis auf drei Portionen verteilen und seit dem T3-Beginn schlecht ein- und durchschlafen, können Sie ausprobieren, ob es ohne die abendliche Dosis besser wird. Schlafprobleme können aber auch daher kommen, dass die T3-Dosis insgesamt zu hoch ist. Um eine Überdosierung zu vermeiden, ist es wichtig, sich schrittweise an die passende Dosis heranzutasten: Viel hilft nicht immer viel.

Beim Splitten der T3-Einnahme werden nebenbei auch die Kurven mit den fT3-Spitzen (Peaks) im Blut und in den Körperzellen flacher. Das kommt der natürlichen T3-Produktion des Körpers näher als eine komplett morgens genommene Dosis, welche die Werte stärker ansteigen und später entsprechend sinken lässt. Ein weiterer Effekt der verteilten Einnahme könnte sein, dass der TSH-Wert weniger absinkt und die T3-Einnahme deshalb bei den Ärzten etwas mehr Zustimmung findet. Andererseits gibt es statt einem Peak nun zwei oder drei kleine Peaks, sodass man sich vom Splitten der Dosis keine allzu großen Effekte auf den TSH-Wert erhoffen sollte. Auch das Splitten des Hormons T4 – also der L-Thyroxin-Dosis – bringt normalerweise keine Vorteile, sodass es in diesem Ratgeber nicht näher behandelt wird.

Splitten, Blutentnahme und Laborwerte

Wenn Sie T3 über den Tag verteilen und die Schilddrüsenwerte messen lassen, brauchen Sie vor der Blutentnahme keine 24 Stunden Abstand zur letzten T3-Einnahme einzuhalten, denn das würde die hormonelle Lage in diesem Fall eher unrealistischer abbilden. Es genügt, wenn Sie den Labortermin auf die erste Tageshälfte legen und die morgendliche Dosis T3 weglassen. Oder Sie nehmen T3 morgens wie üblich ein und gehen am frühen Nachmittag ins Labor.

Es ist außerdem sinnvoll, den Abstand zwischen der letzten Einnahme und der Blutentnahme ungefähr gleich zu halten. Dann können Sie langfristig besser beobachten, wie sich Ihre fT3-Werte unter der T3-Einnahme entwickeln: Laborwerte von verschiedenen Untersuchungsterminen sind am besten vergleichbar, wenn sie unter ähnlichen Umständen gemessen wurden.

Hier spielt nämlich wieder eine Rolle, dass T3 eine viel kürzere Halbwertszeit hat als T4: Seine Wirkung ist flüchtiger – es baut sich also kein solides Depot im Körper auf wie es bei T4 der Fall ist. Wenn Sie die Schilddrüsenwerte nur wenige Stunden nach der Einnahme messen, erfassen Sie bei T3 ähnlich wie bei T4 eine Phase, in der die Werte besonders hoch sind. (Das kann bei T3 durchaus auch einmal interessant sein, um das Bild zu vervollständigen.)

Wenn Sie aber mit der fT3-Messung allzu lange warten, ist auch die Wirkung des bereits gespeicherten T3 deutlich reduziert – auch das würde Ihre im Alltag bestehende hormonelle Lage nur verzerrt abbilden. Beim fT4-Wert macht es dagegen gar keinen Unterschied, ob die letzte Einnahme 20 oder 30 Stunden zurück liegt, nur zu kurz sollte sie nicht her sein.

Noch ein Tipp dazu: Sprechen Sie Ihr persönliches Vorgehen rund um die T3-Einnahme am besten rechtzeitig mit der Arztpraxis ab, damit Sie benötigte Labortermine tatsächlich erhalten und auch keine Probleme bei künftigen Verschreibungen des T3-Präparats bekommen. Dieser Online-Ratgeber will die ärztliche Behandlung nicht ersetzen, sondern den Patientenalltag mit Informationen über Hintergründe und Zusammenhänge begleiten.

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