Hier lesen Sie von Behandlungsmöglichkeiten mit verschiedenen Östrogenen, die bei Frauen rund um die Wechseljahre eingesetzt werden, das sind in erster Linie Estriol (Östriol) und Estradiol (Östradiol). Informationen zum Hormon Progesteron finden Sie im vorigen Kapitel.

Estriol-Zäpfchen und -Cremes

Viele Frauen bekommen es in der Prämenopause und auch darüber hinaus das Hormon verschrieben: Dieses Östrogen wird vor allem gegen vaginale Trockenheit eingesetzt, üblicherweise als Zäpfchen oder Vaginalcreme. Wenn es im Bereich der Harnröhre oder der Vagina juckt oder brennt, muss nicht immer behandlungsbedürftige Infektion dahinter stecken – oft ist es nur ein Mangel an Östrogenen. In diesem Fall kann Estriol helfen und nebenbei den PH-Wert normalisieren. Estriol könnte auch bei Blasenproblemen versucht werden, die bei Frauen mit dem Alter häufiger werden.

Estriol ist schwächer als Estradiol, wirkt überwiegend lokal und ist deshalb unkomplizierter in der Anwendung. Trotzdem gelangt auch Estriol über die Vaginalschleimhaut ins Blut, die übliche Dosis von 0,5 mg pro Vaginalzäpfchen kann den Serumspiegel tatsächlich ein wenig anheben. Wenn der Mangel nach wenigen Wochen beseitigt ist, reicht allerdings eine niedrigere Erhaltungsdosis, das heißt, die Zäpfchen brauchen nicht mehr so häufig angewendet werden wie am Anfang. Provisorisch lassen sich Zäpfchen auch halbieren. Es gibt aber auch welche, die nur eine Minidosis 0,03 mg (30 µg) enthalten. Außerdem könnten auch frei verkäufliche Vaginalcremes ohne Hormone helfen, die Trockenheit zu behandeln. Hormonfreie Produkte eignen sich besonders für Frauen, die nach Brustkrebs keine Östrogene anwenden sollen.

Link: Estrogen-haltige Vaginalcreme nach Brustkrebs (Deutsche ApothekerZeitung 2012)
www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2012/daz-32-2012/estrogen-haltige-vaginalcremenach-brustkrebs

Außerdem gibt es privatärztliche Angebote für Anti Aging und Ästhetische Medizin, die Estriol als Zutat für hormonhaltige Antifaltencremes verwenden, teils in Kombination mit Progesteron. Auch wenn Estriol ein sanftes Hormon ist und mehr oder weniger lokal wirkt – es ist schon vorgekommen, dass der überdosierte kosmetische Einsatz im Gesicht als Nebenwirkung zu Kopfschmerzen führte.

Estradiol und Hormonersatztherapie

In den Jahren rund um die letzte Blutung können besonders die Hormonschwankungen teils heftige Beschwerden auslösen: Hitzewallungen und Schweißausbrüche gelten als typische Zeichen der Wechseljahre, treten aber erst in einer späten Phase auf und betreffen nicht alle Frauen. Diese sehr lästigen, aber harmlosen Symptome werden dadurch ausgelöst, dass das Steuerhormon FSH ansteigt. Das ist wiederum eine Reaktion darauf, dass die Sexualhormone gesunken sind.

Gegen diese Symptome hat die Medizin lange auf eine Hormonersatztherapie (HET) mit patentierten Hormontabletten gesetzt. Diese enthalten nicht naturidentische Östrogene, oft kombiniert mit künstlichen Gestagenen. Eine solche Behandlung bringt aber bei längerer Anwendung diverse Risiken mit sich, die im Einzelfall bewertet und abgewogen werden sollten. Derartige Präparate werden heutzutage nicht mehr zeitlich unbefristet angewandt und sind auch nicht mehr so hoch dosiert wie früher.

Link: Hormonersatztherapie: Meta-Analyse bestätigt Brustkrebsrisiken (Ärzteblatt 2019)
www.aerzteblatt.de/nachrichten/105648/Hormonersatztherapie-Meta-Analyse-bestaetigt-Brustkrebsrisiken

Falls Progesteron und das milde Estriol in den Wechseljahren nicht ausreichen, um die Beschwerden zu vermindern, könnte neben den erwähnten Tabletten aber auch Estradiol in naturidentischer Form und transdermal angewandt werden. Das kommt besonders gegen Hitzewallungen in Frage und hat den Vorteil, dass es flexibler dosiert werden kann als Tabletten.

Bei Östrogen-Anwendung beachten!

Je höher Estradiol dosiert ist, umso mehr Nebenwirkungen könnten auftreten und Risiken ansteigen – das ist auch bei naturidentischem Estradiol nicht ausgeschlossen. Am besten lassen Sie sich ärztlich beraten, was Ihre persönlichen Risikofaktoren betrifft. Ab einer Östrogen-Dosis von 50 µg steigt zum Beispiel das Risiko eines Schlaganfalls. Ein Vorteil der Behandlung ist andererseits, dass sie sich günstig auf die Knochendichte auswirkt, zumindest solange die Anwendung fortgesetzt wird.

Alle Arten von Östrogenen sollten sicherheitshalber nicht auf die Brüste aufgetragen werden. Bei Estradiol sollten Sie bedenken, dass die Anwendung den Bedarf an L-Thyroxin erhöhen kann. Deshalb ist es sinnvoll, nach sechs bis acht Wochen die Schilddrüsenwerte zu prüfen, um auf Veränderungen reagieren zu können.

Wenn Östrogene eingesetzt werden – ob nun als Gel, Pflaster, Nasenspray oder Tabletten – ist eine parallele Behandlung mit Progesteron oder anderen Gestagenen notwendig. Sonst steigt nämlich das Risiko, dass sich Krebs in der Gebärmutter-Schleimhaut (Endometrium) entwickelt. Eine Ausnahme ist nur das milde Estriol, das auch für sich allein angewandt werden darf.

Außerdem sollte die Wirkung einer Östrogen-Behandlung nach rund drei Monaten mit der Gynäkologin besprochen werden. Auch bei Zwischenblutungen ist ein Arztbesuch nötig. Wird eine Östrogen-Behandlung beendet, können die früheren Symptome zurückkehren. Das Ausschleichen der Dosis – also ein langsames Herabdosieren – ist oft verträglicher.

Phytoöstrogene und Pflanzenheilkunde

Hormonbehandlungen mit Östrogen müssen aber nicht zwingend sein: Möglicherweise kann auch die Pflanzenheilkunde mit Östrogenen pflanzlicher Herkunft (Phytoöstrogene) helfen. Diese können Hitzewallungen lindern, aber keine Schweißausbrüche. Das gilt sowohl für Phytoöstrogene in der Nahrung als auch für die Einnahme entsprechender Präparate. In der Naturheilkunde ist zum Beispiel der Extrakt der Cimicifuga-Pflanze bekannt. Am zuverlässigsten wirkt ein Phytoöstrogen namens Genistein, das in Soja enthalten ist.

Wichtig zu wissen ist aber: Phytoöstrogene können Hormonrezeptoren besetzen und dort tendenziell hormonähnlich wirken, aber manche Stoffe könnten den Rezeptor auch blockieren. Sie sind deshalb nicht direkt mit den natürlichen und naturidentischen Hormonen vergleichbar und ihre Wirkung ist weniger vorhersehbar.

Weitere alternative Behandlungsansätze

Auch nicht anerkannte Wege der Alternativmedizin dürfen gegen allerlei Beschwerden ausprobiert werden, sofern Betroffene das möchten und die gewählte Behandlung nicht schadet: Auch ein Placebo-Effekt ist eine reale Wirkung und kann deshalb manchen Menschen zumindest eine Zeitlang helfen. Hier kämen zum Beispiel Akupunktur oder verschiedene Entspannungsmethoden in Frage.

Kommt es im Lauf der Wechseljahre zu Depressionen, können diese separat mit Verhaltenstherapie oder Antidepressiva behandelt werden. Manche Antidepressiva helfen wahrscheinlich auch gegen Hitzewallungen, die Studienlage ist aber nicht eindeutig. Ein Versuch lohnt sich besonders für solche Frauen, die nach Brustkrebs oder nach einem Schlaganfall sowieso keine Hormontherapie machen dürften und auch auf Phytoöstrogene verzichten müssen.

Da schlanke Frauen in den Wechseljahren weniger Probleme haben als übergewichtige, könnte das Abnehmen für manche Frauen auch einen Versuch wert sein. Radikaldiäten sollten aber vermieden werden, da sie mehr schaden als nutzen – das betrifft auch die Knochendichte. Eine direkte Wirkung von Sport gegen Beschwerden der Wechseljahre ist zwar nicht bewiesen, kann aber das allgemeine Wohlbefinden bessern und nebenbei helfen, nicht zuzunehmen.

Link: Leitlinienprogramm Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen
www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-062.html

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