Hier lesen Sie von Behandlungsmöglichkeiten mit verschiedenen Östrogenen, die bei Frauen rund um die Wechseljahre eingesetzt werden, das sind in erster Linie Estriol (Östriol) und Estradiol (Östradiol). Informationen zum natürlichen Hormon Progesteron finden Sie im vorigen Kapitel (siehe Link).

Estriol als Zäpfchen und Cremes

Viele Frauen bekommen das Hormon Estriol irgendwann im Lauf der Wechseljahre verschrieben. Dieses Östrogen wird vor allem gegen so genannte vaginale Trockenheit eingesetzt, üblicherweise als Zäpfchen oder Vaginalcreme. Erste Symptome können schon etliche Jahre vor der letzten Regel vorkommen: Wenn es im Bereich der Harnröhre oder der Vagina juckt oder brennt, muss nämlich nicht immer behandlungsbedürftige Infektion dahinter stecken – oft ist es nur ein Mangel an Östrogenen, der dazu führt, dass die vaginale Schleimhaut dünner und empfindlicher wird und sich allmählich zurückbildet (Vaginalatropie). In diesem Fall kann Estriol helfen und nebenbei den PH-Wert normalisieren. Estriol könnte auch bei Blasenproblemen versucht werden, die bei Frauen mit steigendem Alter häufiger werden. Deshalb gibt es neuerdings den Fachbegriff „urogenitales Menopause-Syndrom“.

Estriol ist ein schwächeres Hormon als Estradiol, wirkt überwiegend an Ort und Stelle und ist deshalb recht unkompliziert in der Anwendung. Trotzdem gelangt auch Estriol über die Vaginalschleimhaut ins Blut, die übliche Dosis von 0,5 mg pro Vaginalzäpfchen kann den Serumspiegel tatsächlich ein wenig anheben. Wenn ein deutlicher Mangel nach wenigen Wochen beseitigt ist, reicht allerdings eine niedrigere Erhaltungsdosis, das heißt, die Zäpfchen brauchen nicht mehr so häufig angewendet werden wie am Anfang. Provisorisch lassen sich Zäpfchen auch halbieren.

Es gibt außerdem Estriolzäpfchen, die nur eine Minidosis 0,03 mg (30 µg) enthalten. Diese sehr niedrig dosierte Zäpfchen eignen sich auch zum Eingewöhnen, wenn die normale Dosis die Schleimhaut anfangs zu sehr reizt, sodass es erst recht brennt. Das wird aber durch die Anwendung bald besser, denn die unterversorgte Schleimhaut nimmt das Estriol sehr gut auf. Ansonsten könnten auch frei verkäufliche Vaginalcremes ohne Hormone versucht werden. Hormonfreie Produkte eignen sich besonders für Frauen, die nach Brustkrebs keine Östrogene anwenden sollen.

Link: Estrogen-haltige Vaginalcreme nach Brustkrebs (Deutsche ApothekerZeitung 2012)
www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2012/daz-32-2012/estrogen-haltige-vaginalcremenach-brustkrebs

Außerdem gibt es privatärztliche Angebote für Anti Aging und ästhetische Medizin, die Estriol als Zutat für hormonhaltige Antifaltencremes verwenden, teils in Kombination mit Progesteron. Auch wenn Estriol ein sanftes Hormon ist und mehr oder weniger lokal wirkt, sind Nebenwirkungen auch bei gesunden Frauen nicht ausgeschlossen: Es ist schon vorgekommen, dass der überdosierte kosmetische Einsatz im Gesicht leichte Kopfschmerzen mit sich brachte. Spätestens dann sollten Betroffene die Creme absetzen oder die Dosis deutlich reduzieren.

Zusätzliche Möglichkeiten mit Pregnenolon

Pregnenolon zählt nicht zu den Östrogenen, sondern zu den Prohormonen: Diese Zwischenstufe kann der Körper in diverse Hormone umwandeln, in den ersten Schritten in Progesteron und DHEA. Der Körper stellt Pregnenolon selbst her, vor allem in den Nebennierenrinden, aber auch in den Eierstöcken (oder den Hoden), in der Leber und im Gehirn. Ab einem Alter von etwa 30 Jahren sinkt die Produktion allmählich, bei Frauen wie bei Männern.

Manche Menschen spüren mit zunehmendem Alter, dass sie weniger Energie haben oder ihr Gedächtnis nicht mehr so gut arbeitet. Das kann mit dem sinkenden Pregnenonlon-Spiegel zusammenhängen. Pregnenolon kann als Creme auf Privatrezept ärztlich verordnet werden, sofern es in Ihrem Land noch nicht rezeptfrei zu haben ist (in Deutschland ist der rezeptfreie Kauf bereits möglich). Frauen könnten Pregnenolon auch bei Beschwerden rund um die Wechseljahre ausprobieren und das Thema mit aufgeschlossenen Gynäkologinnen und Endokrinologen besprechen. Um tatsächlich eine hormonelle Wirkung zu erzielen, ist es wichtig, das Hormon direkt anzuwenden und sich nicht auf pflanzliche Vorstufen zu verlassen (also ähnlich wie bei Progesteron).

Falls Sie bereits Progesteron nehmen und mit Pregnenolon beginnen möchten, brauchen Sie deswegen Progesteron nicht absetzen. Diese beiden Hormone können sich auch gut ergänzen, bei manchen Frauen scheint Pregnenolon eher wie ein mildes Östrogen zu wirken. Beobachten Sie einfach, was sich verändert, und besprechen auftauchende Fragen mit der Gynäkologin. Schwangere sollten Pregnenolon sicherheitshalber nicht anwenden.

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Estradiol und Hormonersatztherapie

In den Jahren rund um die letzte Blutung können besonders die Hormonschwankungen heftige Beschwerden auslösen: Hitzewallungen und Schweißausbrüche gelten als typische Zeichen der Wechseljahre, treten aber erst in einer späten Phase auf und betreffen nicht alle Frauen. Diese sehr lästigen, aber harmlosen Symptome werden dadurch ausgelöst, dass das Steuerhormon FSH ansteigt. Das passiert, weil die Sexualhormone gesunken sind und die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) darauf reagiert.

Gegen diese Symptome hat die Medizin lange auf eine Hormonersatztherapie (HET) mit patentierten Hormontabletten gesetzt. Diese enthalten Östrogene, die nicht naturidentisch sind, und diese oft kombiniert mit künstlichen Gestagenen. Eine solche Behandlung bringt aber bei längerer Anwendung diverse Risiken mit sich, die im Einzelfall bewertet und abgewogen werden sollten. Derartige Präparate werden heutzutage nicht mehr zeitlich unbefristet angewandt und sind auch nicht mehr so hoch dosiert wie früher.

Link: Hormonersatztherapie: Meta-Analyse bestätigt Brustkrebsrisiken (Ärzteblatt 2019)
www.aerzteblatt.de/nachrichten/105648/Hormonersatztherapie-Meta-Analyse-bestaetigt-Brustkrebsrisiken

Falls Progesteron, Pregnenolon und das milde Estriol in den Wechseljahren nicht ausreichen, um die Beschwerden zu vermindern, könnte neben den erwähnten Tabletten aber auch Estradiol in naturidentischer Form und transdermal angewandt werden. Das kommt besonders gegen Hitzewallungen in Frage und hat den Vorteil, dass es flexibler dosiert werden kann als Tabletten. Dafür gibt es verschiedene Anwendungs-Schemata mit und ohne Pausen beim Estradiol und beim ergänzenden Progesteron.

Bei Östrogen-Anwendung beachten!

Je höher Estradiol dosiert ist, umso mehr Nebenwirkungen könnten auftreten und Risiken ansteigen – das ist auch bei naturidentischem Estradiol nicht ausgeschlossen. Am besten lassen Sie sich ärztlich beraten, was Ihre persönlichen Risikofaktoren betrifft. Ab einer Östrogen-Dosis von 50 µg steigt zum Beispiel das Risiko eines Schlaganfalls. Auch harmlose Nebenwirkungen sind möglich, zum Beispiel Hautrötungen oder Kopfschmerzen. Ein Vorteil der Behandlung ist andererseits, dass sie sich günstig auf die Knochendichte auswirkt, zumindest solange die Anwendung fortgesetzt wird.

Eine allgemeine Standarddosis gibt es nicht – es ist individuell unterschiedlich, ab welcher Dosis Estradiol die Symptome nachlassen. Alle Arten von Östrogenen sollten sicherheitshalber nicht auf die Brüste aufgetragen werden. Bei Estradiol sollten Sie bedenken, dass die Anwendung den Bedarf an L-Thyroxin erhöhen kann. Deshalb ist es sinnvoll, nach sechs bis acht Wochen die Schilddrüsenwerte zu prüfen, um auf Veränderungen reagieren zu können.

Wenn Östrogene eingesetzt werden – ob nun als Gel, Creme, Pflaster, Spray oder Tabletten – ist eine parallele Behandlung mit Progesteron oder künstlichen Gestagenen notwendig. Sonst steigt nämlich das Risiko, dass sich Krebs in der Gebärmutter-Schleimhaut (Endometrium) entwickelt. Außerdem würde Estradiol ohne zusätzliches Progesteron sehr wahrscheinlich eine Östrogen-Dominanz mit sich bringen. Etwas anders ist die Lage beim milden Estriol, das auch für sich allein angewandt werden darf.

Wer eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse hat, sollte wissen, dass Östrogene das Immunsystem stimulieren können – auch autoimmune Reaktionen. Deshalb ist es sinnvoll, eine Östrogendominanz zu vermeiden und zusätzlich Progesteron anzuwenden, welches das Immunsystem tendenziell beruhigt. Bei Epilepsie sieht es ähnlich aus: Östrogene fördern die Entladung erkrankter Nervenzellen und damit auch epileptische Anfälle, Progesteron wirkt entgegengesetzt und schützt tendenziell davor.

Außerdem sollte nach rund drei Monaten mit der Gynäkologin besprochen werden, wie die Östrogen-Behandlung wirkt. Auch bei Zwischenblutungen ist ein Arztbesuch nötig. Wird eine Östrogen-Anwendung beendet, können die früheren Symptome zurückkehren. Das Ausschleichen der Dosis – also ein langsames Herabdosieren – ist oft verträglicher. Kommt es zu einer Schwangerschaft, sollte ein Estradiol-Präparat (anders als Progesteron) sofort abgesetzt werden.

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Phytoöstrogene und Pflanzenheilkunde

Hormonbehandlungen mit Östrogen müssen aber nicht zwingend sein: Möglicherweise kann auch die Naturheilkunde mit Östrogenen pflanzlicher Herkunft (Phytoöstrogene) helfen. Diese können Hitzewallungen lindern, aber keine Schweißausbrüche. Das gilt sowohl für Phytoöstrogene in der Nahrung als auch für die Einnahme entsprechender Präparate. Am zuverlässigsten wirkt ein Phytoöstrogen namens Genistein, das in Soja enthalten ist. In der Pflanzenheilkunde (Link zu Kapitel 9.1.) ist außerdem der Extrakt der Cimicifuga-Pflanze bekannt, der aber auch Risiken mit sich bringt.

Wichtig zu wissen ist: Phytoöstrogene können Hormonrezeptoren besetzen und dort tendenziell hormonähnlich wirken, aber manche Stoffe könnten den Rezeptor auch blockieren. Sie sind deshalb nicht direkt mit den natürlichen und naturidentischen Hormonen vergleichbar. Ihre Wirkung ist im Vergleich zu einem Östrogen-Präparat auch weniger vorhersehbar und fällt auch nicht bei jeder Frau gleich aus. Deshalb kann man nicht pauschal sagen, dass Phytoöstrogene sanfter wirken.

Weitere alternative Behandlungsansätze

Auch nicht anerkannte Wege der Alternativmedizin dürfen gegen allerlei Beschwerden ausprobiert werden, sofern Betroffene das möchten und die gewählte Behandlung nicht schadet: Selbst ein Placebo-Effekt ist eine reale Wirkung und kann deshalb manchen Menschen zumindest eine Zeitlang helfen. Hier kämen zum Beispiel Akupunktur, Homöopathie (Kapitel 9.5.) oder verschiedene Entspannungsmethoden in Frage.

Kommt es im Lauf der Wechseljahre zu Depressionen (Kapitel 7.1.), können diese separat mit Verhaltenstherapie oder Antidepressiva behandelt werden. Manche Antidepressiva helfen wahrscheinlich auch gegen Hitzewallungen, die Studienlage ist aber nicht eindeutig. Ein Versuch lohnt sich besonders für solche Frauen, die nach Brustkrebs oder nach einem Schlaganfall sowieso keine Hormontherapie machen dürften und auch auf Phytoöstrogene verzichten müssen.

Da schlanke Frauen in den Wechseljahren weniger Probleme haben als übergewichtige, könnte das Abnehmen für manche Frauen auch einen Versuch wert sein. Radikaldiäten (Kapitel 8.1.) sollten aber vermieden werden, da sie mehr schaden als nutzen – das betrifft auch die Knochendichte. Besser ist es, sich mehr zu bewegen: Dass Sport gegen Beschwerden der Wechseljahre hilft, ist zwar nicht bewiesen. Sportliches Training kann aber das allgemeine Wohlbefinden bessern, so manchen Stress abbauen, teilweise vor Depressionen und Osteoporose schützen und nebenbei helfen, nicht zuzunehmen.

Link: Leitlinienprogramm Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen
www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-062.html

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