Der TSH-Wert (auch TSH basal genannt) ist der am häufigsten untersuchte Schilddrüsenwert. Er kann in jeder Arztpraxis gemessen werden, die Blut abnimmt. Doch bedenken Sie: In einem Blutbild ist der TSH-Wert nicht automatisch enthalten, sondern muss beim Labor extra in Auftrag gegeben werden. Wenn medizinische Laien von „dem Schilddrüsenwert“ sprechen, ist meistens der TSH-Wert gemeint.

Was bedeutet der TSH-Wert?

Der TSH-Wert / das TSH basal zeigt grob an, wie es um die Hormonproduktion ungefähr bestellt ist:

  • Ist der TSH-Wert zu niedrig, zeigt das eine Tendenz zur Schilddrüsenüberfunktion an.
  • Ist der TSH-Wert zu hoch, weist das auf eine Tendenz zur Schilddrüsenunterfunktion hin.

In beiden Fällen sollte geklärt werden, was dahinter steckt. Ein auffälliger TSH-Wert ist für sich allein noch keine vollständige Diagnose, sondern nur ein Teil des Gesamtbildes. Das gilt auch umgekehrt – ein normaler TSH-Wert schließt nicht sicher aus, dass ein Schilddrüsenproblem vorhanden ist (siehe jeweils nachfolgende Absätze).

Welche Bedeutung hat es, wenn der TSH-Wert erniedrigt ist?

In diesem Fall liegt eine Tendenz zur Überfunktion vor. Wie stark die Überfunktion ist, ergibt sich erst aus den freien Hormonwerten. Vor einer eventuellen Behandlung sollte die Ursache geklärt werden.

Für eine >> Überfunktion (siehe auch separate Seite) kommen mehrerlei Ursachen in Frage: Sie sollten beim Spezialisten klären lassen, ob Sie heiße Knoten, Morbus Basedow oder ein Frühstadium der Hashimoto-Thyreoiditis haben – davon hängt ab, welche Behandlung nötig ist. Außerdem kann der TSH-Wert durch manche Medikamente oder eine Schwangerschaft gesunken sein, ohne dass eine Schilddrüsenkrankheit vorliegen muss.

Welche Bedeutung hat es, wenn der TSH-Wert erhöht ist?

Oft fällt eine Unterfunktion erstmals auf, weil der TSH-Wert erhöht ist. Dieser Befund ist ein Anlass, der Sache genauer auf den Grund zu gehen, besonders wenn Sie verdächtige Symptome und Beschwerden haben sollten. Liegen weder Symptome noch eine Schilddrüsenkrankheit vor, muss ein leicht erhöhter TSH-Wert nicht unbedingt behandelt werden.

In Einzelfällen kommt es nämlich auch bei Gesunden vor, dass dieser Wert mal nach oben ausschlägt, zum Beispiel nach Schlafmangel oder Jetlag – der TSH-Wert ist nicht unfehlbar. Hinzu kommt, dass sich die TSH-Ausschüttung im Tageslauf verändern kann. Liegt tatsächlich eine Tendenz zur Unterfunktion vor, ist eine Hashimoto-Thyreoiditis die häufigste Ursache dafür.

Wie genau zeigt der TSH-Wert eine Unterfunktion an?

Der TSH-Wert ist erhöht, wenn er über dem dem Referenz- oder Normalbereich liegt – daraus ergibt sich ein Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion. Doch welcher Wertebereich ist beim TSH-Wert als normal definiert? Der Normalbereich des TSH-Werts liegt nach Messungen an gesunden Testpersonen bei 0,3 bis 2,5.

Eine TSH-Obergrenze von 2,5 hat sich aber nicht in jedem Labor durchgesetzt, weil es auch ab und zu vorkommt, dass gesunde Menschen höhere TSH-Werte aufweisen. Folglich sind auch noch weiter gefasste Normalbereiche in Umlauf (z. B. 0,3 bis 4,2). Da der TSH-Wert für sich allein den Übergang zur Unterfunktion ohnehin nicht exakt anzeigen kann, hat manches Labor hat einen Graubereich für die Obergrenze definiert (z.B. für TSH-Werte von 2,5 bis 4).

Was folgt aus den verschiedenen TSH-Obergrenzen?

TSH-Normalbereiche oder TSH-Obergrenzen, die höher als bei 2,5 angesetzt sind, sind also nicht grundsätzlich falsch oder völlig veraltet, wie manchmal behauptet wird. Doch die unterschiedliche Lage bedeutet letzten Endes: Ob Ihr TSH-Wert erhöht ist oder nicht und ob Ihnen beim Hausarzt überhaupt eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert wird oder nicht, kann auch davon abhängen, in welches Labor der Arzt Ihr Blut einschickt!

Eine Diskussion oder Recherche darüber, welche Obergrenze die richtigere wäre und ob der eigene TSH-Wert vielleicht gerade noch in Ordnung ist oder nicht, führt im Patientenalltag nicht unbedingt weiter. Wer bereits diverse >> Symptome der Schilddrüsenunterfunktion hat oder Beschwerden, die zu einem anderen Schilddrüsenproblem passen würden, sollte sich nicht allein auf den TSH-Wert verlassen, sondern sich gründlich in einer Facharztpraxis untersuchen lassen und sich auch für die weiteren ärztlichen Befunde interessieren.

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Was besagt ein normaler TSH-Wert?

Ein unauffälliger TSH-Wert im Normalbereich (auch Referenzbereich genannt) zeigt an, dass die freien Schilddrüsenhormone im Blut wahrscheinlich ebenfalls im Normalbereich liegen. Dann tendiert die Schilddrüse nicht oder zumindest nicht auffällig zur Unterfunktion. Das muss aber nicht heißen, dass alles in Ordnung ist: Eine Hashimoto-Thyreoiditis kann auch vorliegen, wenn der TSH-Wert noch ganz normal und unauffällig ist und niemand an die Schilddrüse denkt.

Manche der Hashimoto-Betroffenen haben bereits diverse Symptome der Schilddrüsenunterfunktion, wenn die Schilddrüsenwerte noch im Normalbereich liegen und dem Arzt unbedenklich erscheinen. Bei manchen schwankt der TSH-Wert zwischen auffällig und unauffällig, zumindest so lange das Problem unbehandelt bleibt. Deshalb kann man nicht alles am aktuellen TSH-Wert festmachen: Ein unauffälliger TSH-Wert ist nicht zwingend eine Entwarnung, ein auffälliger TSH-Wert ist noch keine richtige Diagnose.

Um eine >> Hashimoto-Thyreoiditis nicht zu übersehen, sind weitere Untersuchungen sinnvoll: Bei verdächtigen Beschwerden sollten neben dem TSH-Wert auch die freien Hormone und die Schilddrüsen-Antikörper gemessen werden. Außerdem kann eine Ultraschall-Untersuchung durch einen erfahrenen Spezialisten darüber Aufschluss geben, in welchem Zustand das Schilddrüsengewebe ist.

Der TSH-Wert im Lauf der Behandlung

Der TSH-Wert dient aber nicht nur der Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen. Er wird auch bei der >> Behandlung beobachtet, wenn jemand Schilddrüsenhormone gegen eine Unterfunktion oder gegen eine vergrößerte Schilddrüse mit kalten Knoten einnimmt: Wird mit der Behandlung begonnen oder die Dosis erhöht, sollte der TSH-Wert sinken.

TSH-Wert und freie Werte auf LaborbogenOft ist es aber sinnvoll, neben dem TSH-Wert auch die freien Hormonwerte (fT3 und fT4) zu untersuchen: Denn der TSH-Wert ist zwar in Sachen Schilddrüsenwerte quasi Doktors Liebling, aber genau genommen handelt es sich nicht um ein Schilddrüsenhormon: Das TSH ist ein Steuerhormon aus der Hirnanhangdrüse (Hypophyse), das die Hormonproduktion und Funktion der Schilddrüse nur indirekt anzeigt.

Was ist eine Funktionsstörung oder Fehlfunktion der Schilddrüse?

„Fehlfunktion“ oder „Funktionsstörung“ der Schilddrüse sind lediglich Sammelbegriffe für Überfunktion und Unterfunktion des Organs. Sind der TSH-Wert und die freien Schilddrüsenwerte normal, liegt nach dieser Definition keine Funktionsstörung (oder Fehlfunktion oder Dysfunktion) vor. Ärzte nennen so eine normale Hormonlage eine „Euthyreose“. Das bedeutet leider nicht zwingend, dass die Schilddrüse völlig gesund ist: Eine Hashimoto-Thyreoiditis oder Schilddrüsenknoten beispielsweise können auch bei normalem TSH-Wert vorkommen. Wenn Ihre Beschwerden zur Schilddrüse passen, sollten Sie sich genauer untersuchen lassen und selbst informieren – auch bei normalem TSH-Wert.

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Stand: 8. April 2019