Jeder fünfte Patient psychosomatisch erkrankt?

Jeder fünfte Patient einer Hausarztpraxis sei psychosomatisch erkrankt, behauptet ein Artikel im Ärzteblatt. Diese Einschätzung stammt aus einer Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM), die damit ihr therapeutisches Angebot bewirbt:

Rund zwanzig Prozent aller deutschen Hausarzt-Patienten leiden an körperlichen Beschwerden, für die es keine ausreichende organische Erklärung gibt. Die Symptome der sogenannten somatoformen Störungen reichen von Kopf- oder Rückenschmerzen über Erschöpfung und Atemnot bis hin zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Deren Behandlung ist meist schwierig und kostspielig.

Nun, ein Teil der genannten Beschwerden könnte durchaus von einer übersehenen Schilddrüsenerkrankung stammen: Besonders eine anhaltende Erschöpfung ist verdächtig, auch Spannungskopfschmerz kann von der Schilddrüse kommen. Bei Erschöpfung mit ungeklärter Ursache wäre es also sinnvoll, die Betroffenen in eine endokrinologische Praxis zu überweisen, vielleicht auch zu anderen Fachärzten.

Nur weil ein Hausarzt nicht auf die Ursachen diverser Symptome stößt, müssen die Beschwerden noch lange nicht psychosomatisch bedingt sein. Auch manche Arten von Kopf- und Rückenschmerzen lassen mich eher an Neurologie und Physiotherapie denken als an psychosomatische Therapien.


Kommentare

Jeder fünfte Patient psychosomatisch erkrankt? — 2 Kommentare

  1. Gut möglich. Neulich beschlich mich der Verdacht, dass auch ein gewisser Teil der sogenannten Wechseljahrsbeschwerden (zu denen ja auch Stimmungsschwankungen, Depression usw. zählen) durch Autoimmunstörungen bedingt sein könnte.

  2. Ja, an die Wechseljahre hatte ich da oben gar nicht gedacht, aber da gäbe es auch eine Schnittmenge der Symptome. Habe z.B. erst heute gelesen, dass die Hitzewallungen, die wohl von den Schwankungen des Östrogenspiegels kommen, oft zusammen mit Herzrasen auftreten. Phasenweise Herzrasen würde aber auch gut zu Autonomie und Hashimoto passen. Und Nachtschweiß würde wohl zur Unterfunktion und zu den Wechseljahren passen, Schlafstörungen eher zur Überfunktion und zu den Wechseljahren…

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