Alternativen zur Winterdepression

Von wegen goldener Oktober: Eine dicke Schicht Hochnebel liegt über der Stadt. Als Abwechslung bietet das Wetter derzeit mehr Regen als Sonnenstrahlen. Das schlägt vielen Menschen auf die Stimmung, nicht nur den Schilddrüsenpatienten.

Manche Menschen bekommen bei fast ständig trübem Wetter sogar eine richtige Winterdepression. Das liegt daran, dass der Hormonhaushalt teils auf die Lichtverhältnisse reagiert: Bei der Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin gibt es nämlich einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Wenn die Tage im Herbst kürzer und trüber werden und der Mensch immer weniger Tageslicht ausgesetzt ist, bleibt der Melatonin-Spiegel auch tagsüber hoch. Das kann müde machen, die Stimmung drücken und schlimmstenfalls zu depressiven Symptomen führen.

Einfach Tageslicht tanken – es lohnt sich

Das nahe liegende Gegenmittel ist also mehr Tageslicht. Um die innere Uhr auf den Tag umzustellen, wäre es gut, schon bei Tagesanbruch oder am Vormittag ins Freie zu gehen. Auch der Kaffee am Morgen hilft dank Koffein etwas bei der Aktivierung. Ein weiterer Gang nach draußen lohnt sich um die Mittagszeit oder wenn doch mal die Sonne herauskommt, weil dann die Lichtstärke am höchsten ist. Aber auch bei grauem Himmel bringt ein Spaziergang etwas: Die Wirkung wird noch verstärkt, wenn man den Blick hebt und in die Wolken schaut. Zusätzlich liefert die Bewegung etwas Glückshormone. Und mancher Herbstspaziergang ist auch bei trübem Wetter schön, wie dieses Foto zeigt:

Herbstimpression Oktober

Zur Verstärkung oder als Alternative für Stubenhocker kommt eine spezielle Tageslichtlampe in Frage. Damit ist hier keine Birne für die Schreibtischlampe mit möglichst natürlichem Lichtspektrum gemeint, sondern eine große Leuchte, die am Morgen oder Vormittag gezielt eingeschaltet wird, um die fehlende Sonne zu ersetzen. Die Anwender setzen sich für eine halbe Stunde vor die Lampe und lassen das Licht auf ihr Gesicht fallen. Da keine UV-Strahlung beteiligt ist, bräunt die Tageslichtlampe die Haut nicht und fördert auch nicht die Vitamin-D-Bildung.

Update 2016: Seit Jahresbeginn habe ich eine Tageslichtlampe.

Warum nicht eher? Ich hatte keine Lust auf ein schweres, klobiges Gerät auf dem Schreibtisch. Andererseits ist es schon fein, wenn man das Tageslicht am Morgen einfach per Knopfdruck einschalten kann, bevor man erstmals vor die Tür geht. Dann habe ich diese Tageslichtlampe entdeckt:

Die Tageslichtlampe hat die Größe eines Tablets, wiegt eher noch weniger und lässt sich leicht mit einer Hand halten. Der Standfuß lässt sich so am Rahmen anbringen, dass die Tageslichtlampe im Hoch- oder Querformat aufgestellt werden kann. Die Lichtstärke beträgt 10.000 Lux, das ist für den Hausgebrauch und vor allem für so ein schlankes Gerät ganz ordentlich. Dennoch braucht die Lampe wenig Strom, weil sie mit LED arbeitet. Wer viel unterwegs ist, kann die Lampe auch in den Koffer packen und bei Fernreisen den Jetlag etwas mildern. Ein Etui aus Filzimitat ist mitgeliefert.

Die Beurer TL30 Tageslichtlampe kostet inklusive Versand rund 55 Euro (im Sommer ist sie günstiger) und ist in verschiedenen Shops zu haben.
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Weitere Helfer gegen Winterdepression

Vitamin D wäre eine weiterer hilfreicher Baustein gegen das Wintertief: Viele Anwender berichten, dass die tägliche Einnahme die Stimmung verbessert und ihnen die Wirkung spürbar fehlt, wenn sie die Tabletten für einige Zeit weglassen. Ein Vitamin-D-Mangel sollte aber auch vermieden werden, weil er dem Körper schaden kann, das gilt besonders für die Knochen.

Wenn das alles nicht reichen sollte, kann das Wintertief sogar mit Medikamenten behandelt werden. Die Pflanzenheilkunde setzt auf Extrakte aus Johanniskraut, um die Stimmung aufzuhellen. Ausreichend hoch dosierte Tabletten können vom Arzt verschrieben werden, sind aber auch ohne Rezept in der Apotheke zu haben. Wenn Johanniskraut nicht wirkt wie erhofft oder aus anderen Gründen nicht in Frage kommt, könnten in ernsten Fällen konventionelle Antidepressiva verschrieben werden – damit kennen sich Psychiater am besten aus. Ansonsten bleibt den Betroffenen nur die Möglichkeit, bis zum Frühling auszuharren oder in den sonnigen Süden zu flüchten.

Die Schilddrüsehormone im Winter

Und die Schilddrüsenhormone? Wer welche einnimmt und schon länger nicht mehr beim Arzt war, kann den TSH-Wert und eventuell die freien Hormone wieder überprüfen lassen. So zeigt sich, ob die Dosis noch passt oder erhöht werden soll – so wird immerhin eine zusätzliche Schwachstelle vermieden. Nur wegen des Winters braucht die Dosierung aber nicht verändert werden. Wir verbrauchen zwar mehr Energie zum Aufwärmen, andererseits bewegen wir uns doch weniger als in der warmen Jahreszeit. Ein unterschiedlicher Hormonbedarf ergibt sich daraus jedenfalls nicht direkt.

*) Der Amazon-Link ist ein Werbelink (Affiliate)
Stand: 6. Oktober 2016


Kommentare

Alternativen zur Winterdepression — 2 Kommentare

  1. Ein schöner und interessanter Artikel, vielen Danke…

    Hier vielleicht noch ergänzen zu diesem Beitrag ein Artikel zu den Grundlagen der Pflanzenheilkunde.
    Hoffe er hilft den einen oder anderen Eurer Leser weiter…

    Pflanzenheilkunde

    Lieben Gruß
    Lilly

    • Ob Pflanzenextrakte wirken, hängt auch von der Dosierung ab. Bei Johanniskrauttee ist es sehr fraglich, ob er über die Placebo-Wirkung hinaus antidepressiv wirkt. Deshalb sind bei Johanniskraut die standardisierten Präparate aus der Apotheke empfehlenswert.

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